Und natürlich gibt es das Morden mit messages … Aber auch da steht gleich die ganze Geschichte von homo sapiens auf dem Plan: Es wurde enthauptet, ausgedärmt, von Pferden zerrissen, gekocht, mit geschmolzenem Blei übergegossen, Herzen herausgerissen, von der Klippe geschubst, von Pferden zertreten, vom Bambus gespießt – you name it, we had it. Diese Tötungsarten sind allesamt mehrfach codiert … sie symbolisieren etwas, warnen, schrecken ab, tauschen (Herz gegen günstige Natur, oder so …) und haben auf jeden Fall eine Bedeutung, die weit über das bloße Totmachen hinausgeht. Und da, wo der Serialkiller-Roman (zum Beispiel) besonders elaborierte Metzelmethoden zelebriert, dient diese Zelebration meistens zur Kommunikation zwischen Mörder und Jäger, zwischen Mörder und Welt. Das ist graduell mal mehr – beim Serialkiller-Roman – und mal weniger – beim Mafia-Roman – von irgendwelchen Realitäten entfernt. Besonders eklige Morde zur Abschreckung sind Teil eines Kommunikationssystems zwischen Oben und Unten, Drinnen und Draußen. Ob la mafia ihre Opfer mit cementa shoesa versenkt, sie von Schweinen fressen lässt (was Hannibal Lecter wenig originell kopiert hat, später) oder mit Schweißbrennern bearbeitet – der Sinn liegt immer in der message und entspricht dem Köpfe-auf-die-Zinnen-stecken (oder auf sonstige Pfähle, wie bei Colonel Kurtz zuhause) oder mit den Ohren ans Stadttor nageln. Auch da gibt die Region der Ereignisse nur die landestypischen Werkzeuge an die Hand, aber die Strukturen sind nicht arg variabel.

Dann ist da doch noch der Sex – sind Messermorde Penetrationen? Anal, vaginal, sonstwie-al? Ist Zerstückeln eher protestantisch oder katholisch? Köpft der Islam lieber, als er füsiliert?

Ist der feurige Spanier schneller mit dem Messer zur Hand als der amoklaufende Ozeanier mit seiner Kriegskeule oder der Bayer mit dem Maßkrug?

Und wenn wir uns auf alle diese Fragen ein paar Antworten zurechtbasteln würden – ich bezweifle stark die Sinnhaftigkeit eines solchen Tuns -, was sagt das über die Texte? Wo läge dann the meaning of the murder modus operandi? Die Bedeutung des Affekts? Der Affekt wiederum ist wichtig, Wut, Hass, Gier, Eifersucht. Aber nicht sein Austrags-Instrumentarium. Das wiederum nur, wenn eine message ins Spiel kommt. Aber dann haben wir keinen Affekt mehr. Nur noch Emotion. Und so beginnt das Spiel wieder von vorne …  Fröhliches Schlachten allenthalben …

 

                                                       Thomas Wörtche © 11/2014  

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