Und hinter der Tür arbeitet die Frau, gegen die die Polizei wegen Mordes ermittelte. Der Verdacht ist da, das Spiel zwischen den beiden ist eröffnet.  Dann kommt auch noch ein Mann in den Laden, der Yasuko den Hof macht.

„Das überzeugte mich, dass Ishigami diese Frau liebte. Die Eifersucht stand ihm ins Gesicht geschrieben.“

Dieser kleine Fehler hat Ishigami den Hals gebrochen.  Der Mörder aus Liebe, der mit seinem Verbrechen ein Verbrechen der geliebten Frau vertuschen wollte, hat sich verraten, weil er seine Liebe zu offen zeigte. Wie ließe sich ein Mord aus Liebe im Krimi besser erzählen?

Auch in seinem zweiten, von Ursula Gräfe großartig ins Deutsche übersetzen Krimi „Heilige Mörderin“ lässt Higashino eine fast perfekte Mörderin gegen den Physik-Professor Yukawa antreten. Und wieder zittert man beim Lesen mit der Mörderin. Dass Higashino Kabinettstücke an Kombinationsgabe zeigt, macht seine Bücher als Rätselkrimis interessant. Sie ziehen ihre Kraft vor allem aber aus den Figuren, die aus Liebe morden – und die am Ende doch Zuneigung verdienen.  Inspektor Kusanagi verliebt sich dieses Mal sogar in die Täterin. „Er hat einen perfekten Mord aufgeklärt und zugleich eine Liebe verloren“, sinniert Yukawa am Ende dieses Romans.

Das Opfer, der Unternehmer  Yoshitaka Mashiba, der von seiner Geliebten tot in seinem Wohnzimmer aufgefunden wird, ist alles andere als ein angenehmer Mensch. Frauen sind für den gefühlskalten, aber charmanten Machtmenschen reine Gebärmaschinen. Wer nach einem Jahr nicht schwanger wird, fliegt. Zu Beginn des Romans teilt Mashiba seiner Frau, der schönen Ayane, mit, dass er sich scheiden lassen will. Es kommt zum Streit:

„Du meinst, du hast keine Verwendung für eine Frau, die keine Kinder bekommen kann. Also schmeißt du mich raus und suchst dir eine, die es kann – und damit ist die Sache für dich erledigt.“

„So ausgedrückt hört sich das schlimm an.“

„Aber darauf läuft es doch hinaus.“

Für Ayane kommt das nicht überraschend. Seit ihrer Hochzeitsnacht hat sie sich auf diesen Tag vorbereitet. Wen sie da liebt und geheiratet hat, erfuhr sie nämlich schon kurz vor der Trauung. „Wenn wir ein Jahr nach der Hochzeit noch kein Kind bekommen, lassen wir uns scheiden, ja?“, eröffnete der Mann, Yoshitaka Mashiba, als er um ihre Hand anhält. Ayane liebt ihn. Doch sie ahnt in diesem Moment, warum sich ihre Freundin Junko – die auch ihre Vorgängerin als Freundin Yoshikatas war  – das Leben genommen hat. Auch ihr hatte er das mit dem Zeitlimit gesagt. Auch Junko hat er weggeworfen, als sie nicht fristgerecht schwanger geworden ist.

„Vor ihrem Tod hatte sie Ayane noch eine Botschaft zukommen lassen: die Arsensäure. Aber nicht, weil sie Ayane dafür hasste, dass sie ihr den Geliebten ausgespannt hatte. Es war eine Warnung: Eines Tages wird es dir genauso ergehen wie mir.“

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