Vor allem wenn Autoren sich Gegenden zuwenden, die nicht unbedingt vor ihrer Haustüre liegen, die sie bereisen müssen, deren Zusammenhänge sie recherchieren müssen, in die sie ihre Figuren verpflanzen, weil sie nicht gerade aus ihnen erwachsen. Im Mainstream ist die globale Verankerung der Geschichte selbstverständlich. Eine Spionagestory spielt sich besser auf mehreren Kontinenten ab, um eine allumfassende Verstrickung, eine hehre Verschwörung zu untermauern. Da springen wir von Afghanistan über China nach Saigon zurück nach Cleveland oder in einen Pariser Vorort.  Da ist die inländische Bedrohung durch auswärtige Mächte zumeist so groß, dass klar ist, der Autor kennt sich mit den dunklen Mächten anderen Völker aus. Da ist aber auch eines immer klar. Die Heimat, die eigene Gesinnung gewinnt. Die Welt als Kulisse, nicht selten Hollywood-kompatibel fixiert. Warum klein denken, wenn es auch im Großen geht?

Viele Geschichten verlieren sich auch wie rein zufällig im Ausland, indem eine Flucht darin strandet, niemand sich auskennt, eher dadurch irritiert ist, dass dort nicht alles so ist wie zu Hause.  Verschlägt es einen Deutschen, Spanier, Russen, Amerikaner, Franzosen nach Afrika, bringt er sich selbst mit, wenn er dort nicht lebt. Autoren schreiben jedoch immer aus ihrer Kultur heraus.  Ein Deutscher in Namibia fühlt sich gleich dazu verpflichtet, die eigene Kolonialgeschichte zu buckeln, ein Amerikaner in Angola trifft auf Kubaner, ein Portugiese in Osttimor auf die Nelkenrevolution.

Wenn der viel gescholtene James P. Huntington in seinem Buch The Clash of Civilizations and the Remaking of World Order von den anstehenden Konflikten und bestehenden Grenzen zwischen den Kulturen sprach, liegt die Frage nahe, was geschieht, wenn ich als Autor diese Grenze überschreite? Wenn ich aus Wyoming mich nach Bagdad bewege, aus Nürnberg nach Algerien, aus Paris in den Senegal, was hoffe ich da zu finden? Jene, die in Asien, Afrika, Australien oder anderswo leben, nähern sich einer fremden Kultur höchstens an und versuchen aus ihr herauszuschreiben. Nicht selten bringen sie jedoch die westlichen Krimi-Topoi mit, an denen sie die Gesellschaft ihres Gastlandes spiegeln.

Es geht immer darum, was ich selber erforscht habe und glaube, dass es als Einsicht über ein Land für Leser wichtig ist. So hat sich ein globaler Tourismus entwickelt, der für ein Buch mal in Daressalam landet, für das nächste sich ein paar Wochen auf Haiti gönnt oder unweigerlich eine Antwort auf den Nahost-Konflikt ausspucken muss. Nicht selten überschreitet ein Autor die Grenze zwischen dem das muss ich schreiben hin zu dem darüber will ich schreiben. Das Gefühl, dass man etwas zu sagen hat, geht einher mit dem Bewusstsein, dass man auch dazu Stellung nehmen muss. Neben der verzweifelten Suche nach einem Plot, weil er sich nicht gerade nach dem letzten Buch aufdrängt.

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