"Und das Meer gab seine Toten wieder" erzählt vom traurigen Schicksal zweier Hamburger Polizistinnen, die im Juli 1931 auf der Insel Pellworm tot aufgefunden wurden. Der Fall wurde nie wirklich aufgeklärt. Polizei und Politik hatten kein Interesse daran, obwohl oder weil die Verhältnisse innerhalb der Hamburger Polizeibehörde die beiden in den Tod getrieben hatten. Während der Recherche wurde mir klar, dass ich unbedingt wahrheitsgetreu berichten muss. Das war ich den Opfern Therese Dopfer und Maria Fischer schuldig, die ins Räderwerk der sozialen Kämpfe geraten waren. Dennoch gibt es eine fiktive Ebene im Buch, nämlich die Geschichte der Ermittlerin Jennifer Stevenson, die den Fall aufklärt. Aber alles, was sie über die Hintergründe der Affäre herausfindet, ist absolut authentisch bis ins letzte Detail. Hätte ich dies nicht so behandelt, sondern den Fall ausgeschlachtet – was für einen Schriftsteller durchaus legitim ist – wäre ich mir schäbig vorgekommen.

     Gleiches gilt für meinen Roman über den Altonaer Blutsonntag. Zunächst wollte ich mir selbst erklären, was am 17.7.1932 in der Gegend, in der ich wohne und arbeite, passiert ist. Dann stellte ich fest, dass an diesem Tag 16 Personen unschuldig ums Leben kamen – von der Polizei erschossen. Und dass es Verantwortliche dafür gab. Und dass von offizieller Seite die Schuldfrage nie geklärt wurde. Auch hier also verlangten die Fakten – und die 16 vergessenen Opfer – genaues Recherchieren. Da es ein Kriminalroman ist, gibt es auf der fiktiven Ebene der Romanhandlung eine ermittelnde Hauptfigur, die kommunistische Reporterin Klara Schindler, die nicht nur die Vergehen der Polizei erforscht, sondern selbst zur Täterin wird, weil niemand sonst die Morde sühnen will. Dass sie den Hauptschuldigen, Polizeioberleutnant Franz Kosa, nicht zur Rechenschaft ziehen kann, ist der historischen Wahrheit geschuldet: Der Mann kam tatsächlich damit durch und verübte noch mehr Verbrechen im Namen der Staatsgewalt.

     Beim dritten Roman war es ähnlich. Mal abgesehen davon, dass beim Reichstagsbrand in Berlin am 28.2.1933 die endgültige Machtübernahme der Nationalsozialisten eingeläutet wurde, gab es ein Opfer: Der Brandstifter Marinus van der Lubbe wurde widerrechtlich zum Tode verurteilt. Und er wurde und wird bis heute von Politikern und Historikern verunglimpft und seine Motive falsch oder verzerrt dargestellt. Das Buch soll den Fall aufklären, dem Brandstifter gerecht werden – und außerdem als Roman spannend sein. Dazu war der Kunstgriff nötig, meine Protagonistin Klara Schindler als Agentin nach Berlin zu schicken.

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