Fakten, Fiktionen und Verschwörungstheorien: der Fall Olof Palme

18 000 Hinweise und Spuren. Sechs Räume. 225 Meter Akten. Eine Million Din-A4-Seiten. Was nach dem Tod von Olof Palme an Ermittlungsmaterial zusammengetragen wurde, übertrifft vermutlich sogar die Dokumentation im Zuge der Ermordung John F. Kennedys.

     Olof Palme, geboren am 30. Januar 1927 in Stockholm, wurde im Alter von 26 Jahren Sekretär des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Tage Erlander. 1963 wurde er Staatsrat, 1965 Minister und 1969 Parteivorsitzender und Regierungschef. Eine steile Karriere. Nach einer  Wahlniederlage im Jahr 1976 führte Palme die Sozialdemokraten in der Opposition und kehrte 1982 schließlich – zum zweiten Mal – ins Amt des Ministerpräsidenten zurück.

          Innenpolitisch sprach er sich zugunsten des Sozialstaates für Reformen aus; außenpolitisch befürwortete er die Abrüstung, kritisierte die Rolle der USA im Vietnamkrieg und die Apartheid in Südafrika. Der Politiker galt als liberal, bürgernah und genoss international einen sehr guten Ruf.

     Zum Attentat kam es am 28. Februar 1986:  Olof Palme und seine zweite Frau Lisbet befanden sich mit einem ihrer gemeinsamen Söhne auf dem Rückweg von einem Kinobesuch. Olof Palme wurde aus nächster Nähe von hinten niedergeschossen und getötet; Lisbet Palme überlebte leicht verletzt.  Der Mörder wurde nie gefasst.

          Persson vermutet in Olof Palme, der 1947 mit einem Stipendium in die Vereinigten Staaten ging, einen Geheimagenten im Dienste der USA. Liegt hier das Mordmotiv? Auffällig ist, dass sich Schlampereien und Pannen bei der Aufklärung des Verbrechens häuften. So entdeckten etwa Passanten – nicht die Polizei – die abgefeuerten Kugeln.

     Leif G. W. Persson, Professor der Kriminologie, Medienexperte und einer der führenden Krimiautoren Schwedens, konzentriert sich in seinem Thriller „Zweifel“ vor allem auf die sogenannte „Polizeispur“, um den Mord an Ministerpräsident Olof Palme aufzuklären. Vorn befindet sich eine Karte der Stockholmer Innenstadt, in der sowohl der Tatort als auch die Standorte der sechs Zeugen eingezeichnet sind. Der bisherigen Theorie, welchen Fluchtweg der Täter genommen haben könnte, setzt Persson eine eigene entgegen.

     Polizeichef Lars Martin Johansson bestellt 20 Jahre nach dem Attentat ein vierköpfiges Ermittlerteam ein, um das Fahndungsmaterial noch einmal genauestens unter die Lupe zu nehmen. Zu bewältigen ist ein gigantischer Aktenberg aus Zeugenaussagen, gesammelten Hinweisen, ballistischen Untersuchungen und Vernehmungsprotokollen. Die Begeisterung der Beamten hält sich – verständlicherweise – in Grenzen.

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