Was liegt da näher, als in die Fiktion abzudriften. Als Schriftsteller seiner Wut über dieses verlogene Paris Luft zu verschaffen. Malet gilt in Frankreich als Begründer des modernen französischen Krimis.  Vor allem wegen seiner „Schwarze Trilogie“. In „Le soleil n'est pas pour nous“ endet der Ich-Erzähler, der 16jährigen André, nachdem seine große Liebe in den 20ern bei einer Abtreibung verblutet ist, auf der Guillotine. Und wenn das Leben erst einmal so richtig zum Kotzen wie in „La vie est dégueulasse“ ist,  der Idealismus nach einem Überfall durch die Gewerkschaft verraten wird, gerät das Leben zum Amoklauf. An was sollen wir uns halten, wenn nicht an das private Glück oder die glorreiche Zukunft einer Gesellschaft? Malet erzählt Geschichten davon, dass egal wohin, es zu nichts führt: Der Mensch wird verarscht und verarscht sich selbst, weil er Hoffnung besitzt.

     Léo Malet liebte das fundamentale Spiel mit den Identitäten, schlüpfte in die Rollen eines Lionel Doucet, eines Omer Refreger, je nach Bedarf auch Louis Refreger. Was liegt da näher, als sich einen Kosmos an Namen und Orten zu erschreiben, ein städtisches Reißbrett mit Morden zu füllen, mit ihm Arrondissement um Arrondissement Paris zu erobern. Damit sein Nestor Burma in Kriminalromanen mit Titeln wie „Du rébecca rue des Roisiers“ „Corrida aux Champs-Élysées“ oder „Micmac moche au Boul’ Mich’ “  mit einer gewissen Nonchalance und einer Prise Hard-Boiled und Noir auf die Suche nach Gerechtigkeit geht.  Heute bin ich der und morgen der, mag Malet sich gesagt haben. Und immer Nestor Burma, der ohne seine Sekretärin Hélène verloren wäre. Schließlich ist er der klassische Privat Eye und schlendert auf der Flucht vor zahlreichen Amouren durch Saint Germain Des Prés und über die Champs-Élysées. In der Ortsbeschreibung gnadenlos perfekt. Seine deutschen Verlage konnten nicht widerstehen und haben in ihren Ausgaben minutiös seine Wanderungen im Anhang nachgezeichnet. So schnell kann es gehen, eben noch der Erfinder des modernen Kriminalromans, nun der Archivar unserer Sehnsüchte vom Eiffelturm und dem Savoir Vivre.

zurück weiterlesen