Als Fotograf besaß er das Gespür dafür, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Da kam es nicht mehr auf das „Bitte recht freundlich“ oder auf ein „Cheese“ an. Er forderte niemanden auf, nach rechts oder links zu schauen. Er schmierte lieber jemandem, damit der ihm verriet, um wie viel Uhr ein Zugriff stattfand, oder wer, wann, wo in einem Hotelzimmer abstieg. In „Naked Lunch“ gibt er am Ende anderen Fotografen Ratschläge, welche Kamera sie benutzen, welche Filme sie kaufen sollten. Der wichtigste Ratschlag jedoch lautet: Oft hast du nicht mal die Zeit durch den Sucher zu schauen. Drück einfach ab. Der Zufall schießt die besten Bilder.

     Weegee nahm Anteil, behauptete von sich, dass er nicht nur seine New Yorker beim Lachen oder Weinen fotografierte, sondern dass er mit ihnen lachte und weinte. Egal ob auf der East Side, in Harlem oder in der Park Avenue. Egal, ob sie sonntagmorgens neben einer Feuertreppe, im Bryant Park unter einem Karton, in einem Asyl Zuflucht suchten oder ob sie vor einem Police Department ihren Rausch ausschliefen. Er nannte sie „The cuirous ones“. Sie forderten Blut, Feuer, Gerechtigkeit ein. Sie tauchten auf und verschwanden in der Masse. Und wer sich heute fragt, wer diese Masse damals war, der sollte sich Weegees Fotos ansehen.

     Ständig in Bewegung hörte er zu, sah er hin und befriedigte gegen Gage die Eitelkeiten der halbseidigen Prominenz. Er begleitete Löschzüge beim Einsatz und lichtete die aufgereihten Toten nach dem Brand ab. Wohlwissen, was von ihm erwartet wurde. Für ein Foto, auf dem tatsächlich ein Mord geschah, bekam er 25 Dollar und für die Aufnahme einer bloßen Leiche  lediglich 10.

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