Provokant – ein Wort, das man auch gerne im Umfeld von „Rebellion“ findet –, war möglicherweise sein etwas exzentrischer Lebensstil, der aber so exzentrisch nun auch nicht war. Ich kenne weitaus Bizarreres. Provokant für einen gewissen Typus Literaturverwalter, ob Kritiker, Verleger, Lektor, Kulturbürokrat oder sonst wer aus der Klasse der von Derek Raymond als „bore“ (Langweiler) bezeichneten Leute – auch psychopathische Serienkiller sind bei ihm „bores“ – war er gewiss, weil er die albernen Spielchen des Betriebs nicht mitmachte. Genauso, wie ihm die anbiedernden Avancen eines bestimmten Typus von Fan (präpotente Jünglinge, die auf harten Mann machen und schlechte Texte in der Tasche haben, die niemand will und die sich deswegen dem „Meister“ verwandt fühlen) tierisch auf die Nerven gingen.

     Insofern war Robin Cook, der sich Derek Raymond nannte, um nicht mit einem Verfasser von Medizin-Schockern verwechselt zu werden, ein Rebell und „Außenseiter“ wie Franz Kafka, Jean Genet, Edgar Allen Poe, Charles Baudelaire und die ganze crème de la crème der littérature noire, und Teil dessen, was er selbst den subterranean stream of consciousness des Noir nannte. Ein Solitär.

                                                                         © 09/2013 Thomas Wörtche

zurück