Deswegen scheinen Gerechtigkeit und Recht und Ordnung auf den ersten Blick und über die Jahrzehnte der Genregeschichte eingeübt. Bei Conan Doyle, bei Agatha Christie, bei all den putzigen, drolligen, knorrigen, engagierten, verletzten, kaputten, versoffenen, genialen, coolen Ermittlern, ob Mensch oder Tier – am Ende haben sie den Täter – das Heilsversprechen dieser Sorte von Krimi ist eingelöst. Darum geht es letztendlich. Und dem Krimi um die hunderttausendfache Versicherung, dass dies meistens so sei. Und dies sei auch gut so. Das „dazwischen“ regelt der Zeitgeist. Der gibt das Design vor, wie die Ermittler jeweils zu sein haben, auf welche gesellschaftlichen Trends sie reagieren, wie sie ihre Rolle interpretieren. Zunehmend versucht man, darüber empirische Erkenntnisse zu gewinnen, welche Charaktereigenschaft des Ermittlers, welche kleine Schwäche (raucht er, ist er treu, hat er Laster, und können sich die Leser damit identifizieren?), welches Haustier für welche „Zielgruppe“ am besten funktioniert, und vermutlich kann man auch bald schon, gestützt auf Daten, Daten, Daten, für jeden individuellen Leser „seinen“ perfekten, maßgeschneiderten Krimi aufs iPad spielen. Der Krimi-to-go ist fertig, der eigene Name notfalls ins Buch eingekauft oder die TV-Vorlagen  brav als formula fiction repetiert.

Das ist an und für sich trivial, nicht trivial hingegen ist vermutlich der Umstand, dass bei aller Variabilität der Parameter „Gerechtigkeit“ nicht angetastet werden wird. Beim Krimi muss es einen Täter geben, und der muss überführt werden, so wie sie sich im Liebesroman am Ende kriegen müssen. Der Unterschied zum Liebesroman ist auch da evident: Wenn die Daten über einen Leser sagen, er wolle, dass der Täter am Ende ungeschoren davon kommt, dann wird man ihm zwar auch dieses Buch auf den Leib resp. den Geschmack zurechtrechnen, ihn aber vermutlich noch unter ganz andere Kuratel nehmen.

Wobei schon die Frage nach Gerechtigkeit bei einem Krimi aus der Normalverteilung dafür sorgt, dass sie nur als Breitenkonsens beantwortet werden kann: Muss der böse Mörder geschnappt werden? Der Kinderschänder? Der Irre?

Ja, klar, das muss so sein, darüber gibt es keine Diskussion unter anständigen Menschen. Sie alle müssen aus dem Verkehr gezogen werden, so wie sie konstruiert und inszeniert sind.

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