Später mussten gegen die Japaner und ihre aufblühende Ökonomie Michael Crichton ran, und noch später bis heute gegen Typen, die in Bettlaken gewickelt herumlaufen, intellektuelle und schriftstellerische Grobmotoriker wie Tom Clancy oder Patrick Robinson. Man mag gar nicht daran denken, dass man neuerdings auch Don Winslow mit seiner „Söldner, hilf!“-Schwarte „Vergeltung“ in dieses illustre Gruselkabinett mit einschließen muss. 
    Und dann sind da natürlich noch die Superhelden, also die mit den drolligen Kostümen und der Ausrüstung aus dem Gadget-Shop. Die werden in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer düsterer eingefärbt, noirish sozusagen. Gotham City war noch nie ein freudiger Ort, und auch die Herden von Zombies & anderen Viechern, die eine meist chemisch-biologisch-epi- und pandemisch aufgerüstete Version der Superschurken sind, haben als Gegenspieler immer noch ein paar unerschrockene Weltenretter, auch wenn´s immer haarschärfer zugeht und die Menschheit echt einen auf den Nüschel kriegen muss, bevor sie sich besinnt und brav, fromm und gut wird. Insofern ist der neuen Arche-Noah-Film mit Russell Crowe als veganer Schlagetot und Herden voller blutmäuliger Fleischfresser mal wieder am christlich (alttestamentarischen) Topos angelangt, dass es Homo sapiens neuerlich geschafft hat, ein Höheres Prinzip so auf die Palme zu bringen wie weiland bei Sodom & Gomorrha oder endgültig bis zur Sintflut. Man muss die Welt eben beinahe vernichten, um sie zu retten. Aber nur beinahe. Denn dieses „Beinahe“ ist kategorial – Science Fiction hat kein Problem mit dem Weltuntergang – es geht schon weiter irgendwo im All oder der Planet Erde ist halt hinüber, wie bei James Graham Ballard.  Limited pity. Aber davon reden wir nicht.
    Wir reden von den Siegern über das Böse. Der Algorithmus ist deutlich. Wo die Gefahr am größten ist, kommt der Retter am besten rüber. Vorausgesetzt, die Gefahr ist seriös. Omnipotente Übergangster und Schurken aus der Dr.-Mabuse-Fu-Manchu-Familie sind per se Geisterbahn, ganz notfalls symbolisch oder metaphorisch, aber auf jeden Fall meistens unfreiwillig komisch. Weltverschwörer auch – die strunzdummen Mujaheddin in Winslows „Vergeltung“ sind gute Beispiele. Wären sie wirklich so gefährlich, wie Winslow und die reale Rhetorik der Geheimdienste uns schaudernd versichern, ließen sie sich gewiss nicht zu Hunderten von einer tapferen Schar Waffen-Freaks niedermachen … da lässt höchstens „300: Rise of an Empire“ grüßen, aber tatsächlich haben sich ein paar Rezensenten (nicht nur Amazon-„Rezensenten“) gefunden, die das Szenario von Winslow „plausibel“ fanden … also die Tatsache, dass eine kleine Privatarmee den „islamischen Terrorismus“ tilgt und nebenbei noch mindesten die USA vor Verseuchung und anderem Elend rettet. Politik reduziert auf die Heldentaten einzelner. An sich wegen der gedanklich unfasslichen Schlichtheit nicht der Rede wert, aber plötzlich irgendwo als „Meinung“ im Diskurs und zitabel. Da wird es einem schon ein wenig schwummrig.

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