Die Lektüre von Chandlers Essay „Die simple Kunst des Mordens“ – seine Abrechnung mit dem klassischen britischen Detektivroman – lenkte meine Aufmerksamkeit auf den von Chandler hochgelobten Samuel Dashiell Hammett. Der Schulabbrecher, Gelegenheitsarbeiter und Lebenskünstler, der sogar selbst zeitweilig als Detektiv für die Pinkerton-Agentur tätig war, kann auf jeden Fall mit einer spannenden Biographie aufwarten. Das allein machte mich neugierig. Sein 1934 zuletzt verfasster Roman „Der dünne Mann“, war der erste, den ich in die Hände bekam. Im Nachhinein betrachtet, keine schlechte Reihenfolge, denn der Plot um den Privatdetektiv Nick Charles, der sich nach der Heirat mit seiner reichen Frau Nora aus dem Geschäft zurückgezogen hat und durch einen Mordfall aus dem Ruhestand zurückgeholt wird, ist er eher leicht und humorvoll angelegt. Nach „Der Malteser Falke“, der so geschickt mit traditionellen Mustern bricht, hätte mich die Lektüre vermutlich andernfalls enttäuscht.
     Es wurde zunehmend gesellschaftskritischer, politischer, vor allem ethisch-moralisch vielschichtiger und realistischer. Autoren zwangen ihre Helden in die Knie, konfrontierten sie mit gesellschaftlicher Realität, mit Ausweglosigkeit und persönlichem Scheitern, mit Hass und Wahnsinn, verdrehten die Rollen… wurden zum Spiegel von politischer Realität in allen Facetten.
     Ein weiterer markanter Punkt war der Erstkontakt mit den sozialkritischen Schwedenkrimis von Maj Sjöwall und Per Wahlöö und ihrer Reihe rund um den Ermittler Martin Beck. Als psychologisch tief und soghaft erwiesen sich die vielschichtigen Psychogramme von in Thompsons „Der Mörder in mir“ mit dem scheinbar so menschenfreundlichen Deputy Sheriff im Zentrum, hinter dessen gutmütiger Fassade ein Serienkiller lauert…
     Risse im Gefüge, Abgründe hinter freundlichen Fassaden, Korruption, Gewalt und Terror… Weit weg ist die Zeit der Detektivromane, in der nach einem „einfachen Mord“ durch die Aufklärungsarbeit des Helden ein Happy End und damit eine als vertraut und verlässlich erlebte Ordnung wieder hergestellt werden konnte…


Michaela Hövermann © 02/2014

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