Deswegen sollte sich jeder genau überlegen, wie er es anstellt, sich bloß nicht erwischen zu lassen. Was wiederum heißt: Lesen, lesen, lesen!
     Krimis und möglichst nicht die Thriller mit den Superhelden, die jede Waffengattung kennen und ihren Körper so gestählt haben, dass sie es gleich mit drei, vier im Nahkampf geschulten Gegnern aufnehmen können, und außer ein paar gequetschten Rippen und einer blutigen Lippe keine größeren Schäden davontragen. Nein, es muss einer wie man selbst sein.
     Nicht unbedingt wie der Hilfslehrer Henry Wilt in Tom Sharpes Puppenmord, der den Mord stellvertretend an einer Sexpuppe begeht und sich selbst und seine Umwelt in den Irrsinn treibt. Eher schon einer wie Hannibal Lecter. Obwohl die Vorstellung, die eigene Frau aufzuessen, sicher nicht jedem liegt.
     Es muss halt ein perfekter Mord her. Denn eines lernen wir aus Kriminalromanen: Auf die Planung kommt es an. Nicht auf das Alibi. In Zeiten von CSI wird einem der Mord schon nachgewiesen, bevor man aus der Tür ist. In Chantal Pelletiers Roman Schießen Sie auf den Weinhändler gelingt es dem Weinhändler ja auch, seine Frau zu ermorden und spurlos verschwinden zu lassen, um anschließend so zu tun, als sei sie nur verreist. Das Schlimme am Morden ist jedoch, leider gibt es so viele Unwägbarkeiten, Schwächen, die es zu bedenken gibt. Im Falle des Weinhändlers werden ihm die Tournedos Rossini, die Tauben mit Foie gras zum Opfer. Der Mann isst nun mal gerne und holt sich eine aufmüpfige, junge Köchin ins Haus, die den ganzen perfiden Mord durch den Mord an dem Weinhändler krönt. Wer will schon sterben, wenn er es gerade geschafft hat, die eigene Frau zu beseitigen?
     Also muss man lesen, lesen, lesen! Die Schliche der anderen kennenlernen und sich selbst. Dass depressive Kommissare wie Wallander oder versoffene Genies wie Harry Hole oder ehemalige Mönche wie Polonius Fischer einem auf die Schliche kommen, ist doch reine Fiktion. Wer nicht in den ersten vier Tagen geschnappt wird, den schnappen sie zu 80% Prozent nie. Was für eine Quote. Manche spielen ihr Leben lang Lotto und die Chance stehen 1 : 14 Millionen. Dagegen 80 von 100, was für eine Traumquote. Auf die Vorbereitung kommt es an. Je mehr Fälle, bei denen es schiefgegangen ist, umso besser. Und im Kriminalroman geht es ja eigentlich immer schief.
     Natürlich ist der Mann an der Seite einer Frau der Hauptverdächtige. Da wird dann so lange im Privaten gewühlt, bis sich ein Motiv ergibt. Also ist die beste Voraussetzung, seine Frau zu töten, mit ihr glücklich zu sein. Sodass keiner Verdacht schöpft. Am besten, man legt sich so ein stoisches Gemüt wie Tom Ripley zu oder, wenn einem das eigene Leben egal ist, die kriminelle Energie der scheinbar genialen Perversen, die sich auf den Bestsellerlisten tummeln. Nur dass selbst deren geistige Höhenflüge nicht ewig dauern.

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