Seit 2002 die Entscheidung für den Krimi im Pendragon Programm gefallen war, habe ich mich auf deutsche und amerikanische Krimis konzentriert. Mit dem lakonischen Ermittler Spenser aus der Feder des US-Bestseller-Autors Robert B. Parker gab es ab 2006 einen weiteren Amerikaner bei Pendragon. „Die blonde Witwe“ war der erste Band, und seitdem habe ich jedes Jahr einen neuen Spenser-Krimi auf den Markt gebracht. Alles deutsche Erstausgaben.
     Mit Robert B. Parkers Serie um den Polizeichef Jesse Stone – die Reihe wurde sehr erfolgreich mit Tom Selleck in der Hauptrolle verfilmt – haben wir im vergangenen Jahr begonnen. Im Februar erscheinen die Bände 3 und 4 („Die Tote in Paradise“ und „Eiskalt“) erstmals auf Deutsch. Robert B. Parker war als Autor eigentlich ein Serientäter, aber mit „Wildnis“ hat er einen sogenannten „stand-alone“ geschrieben, den wir auch umfassend überarbeitet haben.
     David Osborn, der mit „Jagdzeit“ (Originaltitel „Open Season“, verfilmt mit Peter Fonda) und „Tödliches Experiment“ (Originaltitel „Heads“) zwei Thriller geschrieben hat, die die Leserschaft stark polarisieren, ist „unser“ dritter amerikanischer Autor.
     Am Genre Krimi fasziniert mich, dass es so facettenreich ist. Ein guter Krimi kann auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen, er kann kontroverse Themen anschneiden, er kann den Leser in weit entfernte Länder mitnehmen, andere Kulturen beschreiben, ein Psychogramm zeichnen oder uns in eine andere Zeit entführen.
     In den letzten Jahren habe ich mich immer mehr auf Krimis spezialisiert, die die jüngere deutsche Geschichte zum Thema haben, wie zum Beispiel die Nazizeit, die Zeit des Kalten Krieges oder die unmittelbare Nachkriegszeit. Dem Autor Rainer Gross ist mit „Grafeneck“ ein eindringlicher Roman über die Ermordung von Menschen mit Behinderungen – der sogenannten Euthanasie – gelungen, der 2008 mit dem Friedrich-Glauser-Preis für das beste Debüt ausgezeichnet wurde. Und die Wahl-Bielefelderin Mechtild Borrmann  hat nach „Morgen ist der Tag nach gestern“ und „Mitten in der Stadt“ mit ihrem Kriminalroman „Wer das Schweigen bricht“ eine ganz außergewöhnliche und berührende Geschichte über sechs junge Menschen in der Nazi-Zeit geschrieben. Dafür gab’s 2012 den Deutschen Krimi Preis.
     Auch vor dem Bereich Satire schrecke ich nicht zurück. Der Mülheimer Autor Jörg Juretzka, der mit seiner coolen Krimireihe um den Privatermittler Kristof Kryszinski bekannt wurde, hat mit „Platinblondes Dynamit“ eine atemberaubende und äußerst schrille Story hingelegt, bei der man wirklich Tränen lacht.
     Ich bin sehr gespannt darauf, was das Genre für uns noch so alles an Themen und unterschiedlichen Erzählweisen bereithält. Eines steht jedenfalls fest: Es bleibt spannend!

Günter Butkus © 02/2014

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