Man kann das, cum grano salis, an dem diskreten Umgang mit Leichen, Tod und Gewalt sehen, den diese Art von Texten  à la Agatha Christie pflegt. Tatsächlich ist da nichts vornehm Zurückhaltendes, Niveauvolles oder Kultiviertes dran, sondern dieser bizarre, schönfärbende Umgang mit den bösen Dingen ist Ausdruck des Abscheus vor der ganzen Moderne, die sich – horribile dictu – nicht an irgendwelche Regeln und Vorschriften halten will. Man kann das besonders schön an Dorothy Sayers Rede „Aristotle on Crime Fiction“ sehen, deren Obskuranz am deutlichsten wird, wenn sie mit der für erzählende Texte normativ gesetzten Trias „Anfang – Mitte – Ende“ gegen die Zumutungen der modernen Literatur polemisiert: Die Golden Age Krimis waren auch  drollige Gesten wider die Joyce, Kafkas und Prousts, die solchen (sowieso fragwürdigen) Aristotelismus gerade in Trümmer legten.
     Leichen sind eben nicht Leichen. Diejenigen von Hammett sahen anders aus. Nicht, dass er sich in exzessiven Gewaltschilderungen und Todesballetten erging, aber allein schon die Tatsache, dass eine seiner Hauptfiguren, der Continental Op (den wir vor allem in „Red Harvest“ – 1929, also mitten im Golden Age und planetenfern davon – und vielen Kurzgeschichten treffen) ein fetter, kleiner Mörder ist, markiert den Unterschied. In der sich anschließenden Kriminalliteratur, die den Untertitel „hard-boiled“ in erster Linie nicht deswegen bekam, weil dort so hart zugeschlagen wurde, sondern wegen einer bestimmten, sehr pragmatischen, scharfen, abgeklärten bis zynischen mentalen Haltung gegenüber dem modernen Leben, war auch das Morden und die Gewaltausübung nicht mehr distinguiert, sondern brutal, beiläufig, pragmatisch, nicht sehr sexy.
     Explizit wurde Gewalt, wo sie komisch wurde. Prototypisch in „All Shot Up“ von Chester Himes (1960) – da brettert ein kopfloser Motorradfahrer nicht einfach nächtens durch Harlem, sondern zieht eine Blutfontäne aus seinem Halsstumpf hinter sich her, und in seinem grotesken Fragment “Plan B” (dessen Entstehungsgeschichte zu kompliziert ist, um es genau zu datieren) sind ausgefeiltere, brutalere, direkt und einlässlich dargestellte Tötungs- und Gewaltszenarien dominant. Sicher nicht als Selbstzweck, sondern da, wo es um die Verteilung von Macht geht – und damit um Gewalt.

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