Neben mittelmäßigen Titeln hat Festa eben auch wirklich gute Horrorliteratur im Programm. Brett McBean, der im Festa-Programm allein schon durch seinen Schreibstil auffällt, beschreibt in seiner Geschichte „Die Mutter“, in der eine Mutter den Mord an ihrer Tochter rächen will, sexuelle Gewalt. Oder Greg Gifunes „Blutiges Frühjahr" mit all seinen verstümmelten Frauenleichen:

    Gifune schafft als Autor eine atmosphärische Dichte beim Schreiben, die viele Leser in einen Sog zieht.

    Doch auch Festa musste ökonomische Zugeständnisse machen. Deswegen haben die Leipziger 2012 eine neue Krimi-Reihe gestartet – die allerdings anders als andere Festa-Reihen nicht so richtig zu überzeugen vermag. Nehmen wir den im März als Band 14 neu erschienen Thriller „Stop me" von Richard Jay Parker.

 

    „Er war Leo gegenüber nie auch nur im Entferntesten aggressiv geworden… Leo kannte ein paar seiner unscharfen, selbst-gedrehten Schimpftiraden auf YouTube – Bookwalter hatte sie auch einmal alle auf seiner eigenen Seite eingebunden –, und alle drehten sich um seine Unzufriedenheit mit seiner Darstellung in den Medien, wofür er allein Bonsignore die Schuld gab. Diese Gehässigkeit eines entlarvten Lügners gegenüber einem anderen potenziellen Schwindler war entweder die ultimative Demonstration seines Schauspieltalents oder ein Zeichen dafür, dass bei ihm wirklich sämtliche Schrauben locker waren."

 

    Für einen Thriller ist die Sprache zu abstrakt. Es gibt Passagen in diesem Krimi, deren Kanzleideutsch einen dazu verleiten, beim Lesen schnell weiterzublättern, wie in Jugendjahren bei den länglichen Landschaftsbeschreibungen in Karl Mays „Winnetou"-Romanen.

    Verfolgt man die Internet-Foren, dann sieht man, dass sich auch viele Leser von Festa-Büchern über des Verlegers Aussage ärgern, manche seiner Bücher würden vom Buchhandel boykottiert, weil sie zu hart seien. Doch Festa hat Erfolg. Er profitiert von der Werkausgabe des Urmeisters der Spannungs- und Horrorliteratur, H.P. Lovecraft, ebenso wie von den sehr aufwendigen Hörbuchproduktionen mit den Synchronstimmen bekannter Hollywoodstars wie Johnny Depp oder Jack Nicholson.

    Frank Festa scheint zu ahnen, dass der ökonomische Erfolg die Wurzeln seiner Verlagsidee gefährden und auch den Festa-Verlag in die Zwänge der großen Verlage einsperren könnte, welche er verachtet, weil sie sich nicht darum bemühen, neue Autoren zu entdecken und am Markt durchzusetzen. Um das Verruchte der Anfangszeit zu erhalten, gibt es bei Festa die Reihe „Festa Extrem".

 

    „Der Handel boykottiert gewisse Bücher von uns. Zu hart, zu gewagt, zu brutal oder einfach zu weit weg von der Norm. Doch Literatur braucht künstlerische Freiheit und darf nicht geknebelt werden. Deswegen befreien wir uns auf extreme Art", so liest sich die Selbstdarstellung des Verlags.

    Ist Edward Lees „Das Schwein" – die größte literarische Sauerei des Jahrhunderts – das wirklich wert?

    Dennoch: Für Anhänger extrem gewaltpornografischer Thriller, dunkler Phantastik oder morbider Gruselthriller ist der Verlag, der 2003 seinen Sitz nach Leipzig verlagerte, in Deutschland heute wahrscheinlich die beste Adresse. Er steht in der Tradition des Pulp, wenn auch – den spätkapitalistischen Zeiten gemäß – in Leder, statt im Billigdruck.

Carsten Germis © 05/2015

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