Dass Südens Vater verschwand, als Tabor ein Jugendlicher war, und den er lange, lange nicht finden kann, ist neben der Tatsache, dass Mord an sich hier nur eine sekundäre Rolle spielt, weil Ani seine Spannung aus den Innenleben und den Beziehungsverstrickungen rund um die Menschen der Vermisstenfälle zieht, aber nicht das Einzige, was diese Krimireihe so besonders macht. Da wäre zum Beispiel der Aufbau der Reihe an sich, denn bei Ani steht das Ende am Anfang, nämlich das Ende von Südens bestem Freund und Arbeitskollegen Martin Heuer, der sich in „Die Erfindung des Abschieds“ das Leben nimmt. Dieser Krimi, 1998 erstmals erschienen, nimmt den Klimax einer Freundschaft vorweg, die erst danach in den zehn konzipierten „Süden und …“-Bänden von allen Seiten empathisch und hintergründig durchleuchtet wird.

Wenn der Freundschaftsanker wegbricht

Diese Freundschaft ist der heimliche Anker der Reihe, denn ohne Martin würde Tabor Süden Gefahr laufen, sich rettungslos in seinem Selbst zu verlieren. Dass Süden dann doch noch die Kurve kriegt, beweisen die weiteren Bücher rund um den Ermittler, von dem Ani letztlich nicht so ganz lassen konnte, obwohl er schon lange vor Erscheinen von „Süden und der Mann im langen schwarzen Mantel“ verkündet hat, dass dann Schluss sei. Man kann ihm diese kleine Selbstuntreue nicht verübeln, denn es ist schließlich schon spannend genug zu beobachten, wie Süden ohne seinen freundschaftlichen Lebenswegweiser zurechtkommt – wie aufregend muss es da erst sein, diesen Seelenzwist für die Leser auszuloten! Anis wichtigstes Instrument dabei: fokussierte Blicke in die tiefsten Gefühlsverstecke all seiner Figuren, denn er macht bei Süden längst nicht halt. Alle Menschen, die sich da in den Geschichten winden und wenden, die Augen verschließen und sich erschrecken, wenn sie zu sich selbst ehrlich sein müssen, nimmt er genau unter die Lupe, entblößt mit unheimlich sanfter und poetischer Sprache präzise das, was deren Innerstes anrührt – ohne es reißerisch ans Tageslicht zu zerren.

    Solche Boulevardmethoden hat Ani dank seiner genauen Beobachtungsgabe auch gar nicht nötig. Er zeigt Menschen, wie sie sind – ohne zu werten, ohne zu urteilen. Dieses Seelenzeigekönnen ist unter den deutschen Krimischriftstellern quasi einzigartig. Kein Wunder, dass Ani für diverse Süden-Bände deswegen fünfmal unter den ersten Zehn auf der KrimiWelt-Bestenliste für den Krimi des Jahres stand, zweimal den Deutschen Krimi Preis gewonnen hat und viermal als Zweitplatzierter mit selbigen geehrt wurde – im Jahr 2003 sogar für drei Süden-Krimis auf einmal. Burgdorfer Krimipreis, Stuttgarter Krimipreis, Radio Bremen Krimipreis, ja, selbst den Grimme Preis konnte Ani für Süden einheimsen – allerdings nicht für den Roman „Süden und der Luftgitarrist“, sondern für das dazugehörige Drehbuch, das vom ZDF mit Ulrich Noethen als Tabor Süden verfilmt wurde.

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