Ganz so radikal ist Kuppler nicht. Aber: Gute deutsche Krimis gebe es nicht, höre sie oft, schrieb sie in ihrem Beitrag für die FAZ. "Der deutsche Krimi ist erfolgreich. Aber trotzdem irgendwie nicht gut." Es stimmt, es gibt Kriminalromane deutscher – aber auch britischer, amerikanischer, skandinavischer – Autoren, die sich gut verkaufen, aber leider nicht gut sind. Das lese ich nur zur Unterhaltung, das höre sie oft, erklärte Kuppler. Und: "Ein guter deutscher Krimi ist eine Seltenheit."  Ist das so? Gibt es deswegen generell keine guten Krimis? Taugen sie einfach nicht zum "E"?

Wenn über den Krimi, über seinen Erfolg oder seine Qualität gesprochen wird, werden die Dinge oft durcheinandergemischt. Zum Ersten: Wirtschaftlicher Erfolg hat mit literarischer Qualität oft wenig zu tun. Auf dem Buchmarkt hat sich die "Aufmerksamkeitsökonomie" rapide geändert. Angeboten wird sicherheitshalber, was sich gut verkaufen lässt oder von Kritikern in die Fernsehkameras gehalten wird. Was sich verkauft, gehorcht mehr und mehr den Gesetzen eines  Marktes, der von Oligopolen gesteuert wird. 

Wer über "U" und "E", wer über die Qualität des Kriminalromans sprechen will, darf also nicht auf Verkaufszahlen schauen.  Kommen wir also zur Qualitätsdebatte. Wenn Verkaufszahlen nicht der Gradmesser sein können, was ist es dann? Die Riege der deutschen Krimikritiker teilt der – gelegentlich über die Ergebnisse staunenden Öffentlichkeit – jeden Monat in der Krimi-Bestenliste mit, welche Kriminalromane sie für die besten hält. Sind diese Krimis also besser, anders als die, die in dicken Stapeln in den Buchhandlungen liegen? Sehen wir uns die ersten drei Titel der "Krimi-Bestenliste" vom August dieses Jahres an. Platz 1 nahm wie schon in den Vormonaten Merle Krögers Buch "Havarie" ein, gefolgt – überraschend – von Newton Thornburgs "Cutter und Bone" auf Platz 2 und , wenn man den Gesetzmäßigkeiten der Bestenliste folgt, wenig überraschend dem neuen Krimi von Friedrich Ani "Der namenlose Tag". Das ist der neue "Fall für Jakob Franck", mit dem Ani vom Droemer-Knaur-Verlag zum prestigeträchtigeren Suhrkamp-Verlag gewechselt ist.

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