Wer sich umhört, wird bei all seinen lesenden Bekannten mindestens einen Namen hören, von dem er nahezu alles, wenn nicht gar alles gelesen hat. Wer will nicht wissen, wie das mit Laidlaw ausgeht? Auch wenn McIlvanny so schlau war, sich nicht in die Knochenfabrik des immer gleichen zu begeben. Und natürlich gibt es unter den Serienschreibern herausstechende Autoren wie Jerome Charyn, der ohne seinen Isaac Sidel nicht vorstellbar ist. Serienschreiben hat nichts mit Mainstream oder Nische zu tun. Sondern mit Hunger nach Nähe. Da erlauben wir es den Verlagen und Erben sogar, dass ein einmal eingeführter Modus von einem anderen Schriftsteller fortgeführt wird. Stieg Larsson ist tot. Egal. Dann schreibt halt ein anderer die Saga zu Ende.

    Das Serienschreiben verlangt vor allem eins, immanent zu bleiben. Im eigenen System die Realität einzubauen. Sei es dadurch, dass man tagespolitisch reagiert, wenn man gerade wieder auf Stoffsuche ist und hofft, dass das Thema die Leser in einem Jahr noch interessiert, sei es, dass Stoffe nur zugelassen werden, die zur Figur passen. Die Cosy Crime Fiktion ohne Humor? Eine Hard-Boiled-Serie ohne Lonesome Cowboy? Giallos ohne Blut und Erotik? Und wehe, einer wagt es, die Schublade zu wechseln.

    Hören wir also auf, den Autoren Vorwürfe zu machen. Dass sie zu lange brauchen, um das nächste Buch auf den Markt zu werfen, dass eine Figur plötzlich langweilig wird, dass das eine Buch besser als das andere ist. Beschweren wir uns nicht, wenn er versucht, seinem eigenen Teufelskreis zu entfliehen, indem er eine zweite Romanreihe einführen will, um ein wenig Abwechslung in seinem schriftstellerischen Leben zu haben.

    Ohnehin sind wir im Serienzeitalter angekommen. Das hat längst das Fernsehen begriffen. Lange Strecke in kleinen Packungen serviert, bindet Zuschauer. Edgar Wallaces „Halstuch“ heißt in unseren Tagen „True Detectives“. Auch wenn in unseren Fernsehzeiten keine Straßenfeger mehr vorkommen, weil wir zu jeder Zeit, an jedem Ort unsere Serien sehen können.

    Noch mal: Was ist mit der Realität? Kommt in den Serien nicht unendlich viel davon vor? Ist ein Sequelschriftsteller nicht dazu angehalten, immer auf der Höhe der Zeit zu sein, um überhaupt noch Lust zum Schreiben zu haben? Werden die Augen eines Serienhelden nicht automatisch zu den Augen des Schriftstellers? Die Frage sollte viel besser lauten, was erzählen sie uns da eigentlich?

    Egal. Gebt dem Volk Brot und Spiele.

    Für jeden gibt es das Passende. Von der Pathologin über den Gutmenschen bis zum Skrupellosen.

    Take it Baby, One for the Money, One for the Road.

    Die Realität? Was interessiert uns schon das Leben da draußen.

 

Wolfgang Franßen@08/2015

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