Ein ander Mal begegnete ich einem Mann, der mit neugeborenen Kätzchen in einem Sack auf dem Weg zum Fluss war. Er hatte vor, sie zu ertränken, nicht aus Grausamkeit, sondern weil er dies für die menschlichste Art hielt, um Kätzchen loszuwerden, denen er kein Zuhause geben konnte. Ich erklärte ihm, dass es der Mutterkatze gegenüber grausam sei, ihr die Jungen wegzunehmen, bevor sie entwöhnt sind. Danach könne er die ungewollten Kätzchen einfach im Tierheim abgeben; und wenn sich dort kein neuer Besitzer finden ließe, würden sie wenigstens schnell und schmerzlos sterben. Darüber hinaus riet ich ihm, die Mutterkatze für wenig Geld sterilisieren zu lassen, damit er nicht wieder in eine solch traurige Lage käme.

Er war dankbar. Verstehen Sie, er war kein grausamer Mensch, ganz und gar nicht. Er wusste es nicht besser.

Andere Menschen wollen einfach nicht lernen.

Gestern zum Beispiel war ich im Baumarkt an der Second Avenue. Eine gutgekleidete junge Frau wählte Fliegenfänger und diese furchtbaren Kakerlakenfallen aus.

„Entschuldigen Sie“, sagte ich, „wollen Sie diese Dinge wirklich erwerben? Sie sind nicht sehr wirksam, und Sie geben am Ende sehr viel Geld aus, um sehr wenige Insekten zu töten.“

Sie sah mich seltsam an, wie einen Spinner, und ich hätte wissen müssen, dass ich mir den Atem hätte sparen können. Aber irgendetwas knackte, und ich machte weiter.

„Sie müssen wissen, diese Kakerlakenfallen töten die Tiere nicht. Sie immobilisieren sie nur. Die Füße stecken fest, und dann stehen sie da und wackeln mit den Fühlern, bis sie am Ende wahrscheinlich verhungern. Würde Ihnen das gefallen?“

„Sie verarschen mich“, sagte sie. „Stimmt’s?“

„Ich weise nur darauf hin, dass das Produkt Ihrer Wahl weder wirksam noch human ist“, sagte ich.

„Na und?“, fragte sie. „Das sind Kakerlaken. Wenn’s ihnen nicht gefällt, sollen sie sich gefälligst von meiner Wohnung fernhalten.“ Sie schüttelte ungeduldig den Kopf. „Ich fasse es nicht, dass ich überhaupt mit Ihnen rede. In meiner Wohnung wimmelt es von Kakerlaken, und ich renne in einen Verrückten rein, der sich um ihre Gefühle sorgt.“

Ich sorgte mich keineswegs darum. Und es war mir egal, ob sie Kakerlaken tötete. Ich verstehe die Notwendigkeit dieses Handelns. Ich sehe nur keine Notwendigkeit für Grausamkeit. Aber ich war klug genug, nichts weiter zu sagen. Manchmal nutzt es, mit Menschen zu reden. Bei anderen ist es, als wollte man eine Glühbirne auspusten.

Also kaufte ich ein halbes Dutzend Tuben Alleskleber und folgte ihr nach Hause.

                                               ENDE  

Lawrence Block @ 07/2016

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