An jenem Nachmittag suchte ich einen Laden im Greenwich Village auf, der seltsame Paraphernalia an vermutlich seltsame Menschen verkauft. Handschellen und Nietenarmbänder und merkwürdige Lederwaren aller Art. Sadie Mae’s Lederwaren, so heißt der Laden. Sie verstehen schon.

Ich kaufte eine drei Meter lange Peitsche aus geflochtenem Stierleder und fuhr damit an den Central Park South. Dort wartete ich im Schatten verborgen, bis der Kutscher Feierabend machte, und folgte ihm nach Hause. Man kann einen Mann mit einer Peitsche töten. Glauben Sie mir.

Ich muss sagen, dass ich nie gedacht hätte, so etwas noch einmal zu tun. Ich kann nicht behaupten, ein schlechtes Gewissen gehabt zu haben. Der Grobian hatte es nicht besser verdient. Aber ich sah mich nicht als Rächer aller misshandelten Tiere in New York. Ich hatte bloß meine Pflicht erkannt und danach gehandelt. Es ist nicht schön, einen Mann zu Tode zu peitschen, aber ich muss zugeben, dass es etwas fast beschämend Erregendes hatte.

Eine Woche später sah ich in meiner Nachbarschaft, wie ein Mann seinen Hund trat.

Ein wirklich niedlicher Hund, ein hübscher kleiner Beagle, wie Snoopy. Er konnte gar nichts getan haben, das diese Brutalität gerechtfertigt hätte. Manche Hunde haben einen garstigen Wesenszug, aber kein Vierbeiner ist von Grund auf schlecht. Und dieser schreckliche Mann malträtierte das Tier mit teuflischen Tritten.

Warum tut man so etwas? Warum schafft man sich einen Hund an, wenn man ihm nicht wohlgesonnen ist? Ich deutete so etwas an, und der Mann sagte, ich solle mich um meinen eigenen Kram kümmern.

Nun, ich habe versucht, das Ganze zu vergessen, aber ich bin dem Kerl auf jedem Spaziergang begegnet, immer mit dem kleinen Beagle im Schlepptau. Er hat ihn nicht immer getreten, kein Hund würde das auf Dauer überleben. Aber er hat das Tier grausam behandelt, hart an der Leine gezerrt, es voller Boshaftigkeit und Hass angebrüllt.

Und dann bekam ich wieder mit, dass er den Hund trat. Es war nicht der Tritt, der etwas in mir zum Knacken brachte, es war die Art und Weise, wie sich das arme Tier wand, als der Mann den Fuß zurückzog. Es war eindeutig an diese Misshandlungen gewöhnt und wusste, was ihm blühte.

Also ging ich am Broadway in ein Schuhgeschäft, das eine große Auswahl an Arbeitsschuhen bietet, und kaufte ein Paar Stiefel mit Stahlkappen, wie sie Bauarbeiter tragen. Die trug ich, als ich meinem  Nachbarn mit seinem Hund das nächste Mal begegnete, folgte ihm nach Hause und klingelte an seiner Tür.

Bestimmt wäre es schneller und leichter gegangen, wenn ich vorher ein wenig Karatetraining genommen hätte. Doch mit einem Stahlkappenstiefel hat auch ein ungeübter Tritt große Wirkung. Einige Tritte gegen die Beine, und er fiel und konnte nicht wieder aufstehen, einige Tritte in die Rippen brachen seinen Widerstand, und einige Tritte gegen den Kopf stellten sicher, dass er nie wieder einem hilflosen Gottesgeschöpf Schaden zufügen würde.

Grausamkeit setzt mir zu, Grausamkeit und gedankenlose Gleichgültigkeit dem Schmerz anderer gegenüber. Manche Menschen denken einfach nicht nach, wenn man ihnen jedoch die Unmenschlichkeit ihres Handelns vor Augen führt, zeigen sie Verständnis und sind bereit, ihr Verhalten zu ändern.

Eine junge Frau in meinem Haus beispielsweise hatte eine Promenadenmischung, die den ganzen Tag bellte. Sie ahnte nichts davon, weil der Hund immer erst bellte, wenn sie zur Arbeit gegangen war. Als ich ihr erklärte, dass der arme Kerl nicht gern allein war, dass er schreckliche Angst bekam, fuhr sie ins Tierheim und adoptierte einen äußerst niedlichen Sheltie-Mischling, der ihm Gesellschaft leisten sollte. Man hört von den beiden Hunden keinen Mucks mehr, und mir wird warm ums Herz, wenn ich die Frau mit ihren glücklichen und gut versorgten Vierbeinern spazierengehen sehe.

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