Dabei erstaunt sein Überleben selbst den Erzähler, „denn dies war keineswegs der Plan gewesen. Cheng hätte sterben sollen. Ja, man könnte sagen, dass die ganze verrückte Geschichte in erster Linie darum entstanden war, um schlussendlich den Tod des nach Wien heimgekehrten Detektivs herbeizuführen und solcherart den Kreis sauber und endgültig zu schließen“ („Ein dickes Fell“). Bei Heinrich Steinfest verweist der Erzähler oft an die Erfahrungen und das Erleben des Lesers, indem er beispielsweise darauf aufmerksam macht, dass die Badewanne ein ebenso gefährlicher Ort wie das Bett sei („Cheng“) oder ein dünnes Buch dazu tendiere, „einem Leser Dinge zu ersparen, auf die ein Leser gerne verzichten konnte“ – angemerkt in „Ein dickes Fell“, in der Taschenbuchausgabe gut 600 Seiten lang.

    Das Spiel mit Genremustern ist daher nur ein Bestandteil der Komik von Heinrich Steinfest, es gehört zu dem Sprachwitz, den wiederkehrenden Figuren, den Löchern und Höhlen und vor allem den absurd-wahren Randbemerkungen zum Leben, zur Liebe, zum Tod und dem alltäglichen Wahnsinn auf dieser Welt. Dabei fallen bei aller Eigenständigkeit der einzelnen Romane die Schnittpunkte auf, die sie miteinander verbinden; der Duft von 4711 beispielsweise, der Name Batman oder eine mysteriöse Wiener Pension, die von Kommissar Lukastik in „Mariaschwarz“ und einem Außerirdischen in „Gewitter über Pluto“ zur Übernachtung genutzt wird. Diese wiederkehrenden Motive und Ermittler lassen zwischen den Fixpunkten Wien und Stuttgart eine eigene Welt entstehen, in der Steinfests Regeln herrschen und Konstrukte entstehen, die seine Romane mitunter als phantastische Geschichten erscheinen lassen. Zugleich führt er damit eine weitere Ebene des Humors ein, die vor allem den Steinfest-Leser erfreut, der die Verweise erkennt und mit einem Seufzer an den Hund Lauscher denkt. Deshalb ist die Komik bei Heinrich Steinfest komplexer und feinsinniger als bei vielen anderen Autoren.

    Die Muster des Kriminalromans lassen sich somit parodieren, persiflieren und karikieren, sie geben dem Leser vertraute Gewissheit und schaffen neue Ebenen des Humors. Bei allem herauslesbaren Witz gilt jedoch selbst bei einem Autor wie Heinrich Steinfest, dass seine Bücher nur für diejenigen ‚komisch‘ sind, die einen Sinn für das Absurde haben. Denn Humor und Komik sind immer auch eine subjektive Angelegenheit.

Sonja Hartl @ 06/2015

zurück