Haas, ok; doch wo bleibt die Komik beim Hamburger Brack?  Auf den ersten Blick scheint der nicht jedem Leser komisch, aber was ist mit Dialogen wie diesen? Auf das Büro der beiden Privatdetektivinnen Rabe und Adler (schon der Name ist komisch), die sich gerade massiv mit den chinesischen Triaden in der Hansestadt angelegt hatten, wird von einem Schiff im Hamburger Hafen mit einem Mörser geschossen (auch das ist so absurd, dass es komisch ist). Es ruft an ein „Jonni“, ein reicher, einflussreicher Hamburger Rechtsanwalt, mit dem sie immer mal wieder zusammenarbeiten:

„Agentur Rabe und Adler, guten Tag.“
„Hallo Lenina, bist du’s?“ („Wieso fragt er eigentlich immer nach dir zuerst?“, nörgelt Nadine manchmal in düsteren Momenten, heute allerdings nicht.)
„Wir sind’s beide.“
„Oh, äh, hallo … wie läuft’s denn bei euch so?“
„Wir haben die Fenster auf. Eine leichte Brise weht von Westen her. Die Bergungsarbeiten gehen voran.“
„Ah, das beruhigt mich. Ich habe nämlich gehört, es soll irgendwo in eurer Nachbarschaft … Was meinst du mit Bergungsarbeiten?“
„Kopftücher, Arbeitskittel, in die Hände spucken.“
„Was willst du damit … war das bei euch … die Explo-, Deton-, dieser Vorfall?“
„Richtig erkannt.“

Schöner hätte Gregory Mcdonalds Reporter Fletch diese absurde Situation in einem seiner komischen Dialoge nicht beschreiben können.  Zudem sind die ermittelnden Polizeibeamten bei Brack, der gegenüber den Ordnungshütern der Hansestadt eine gewisse Distanz hält, im wahrsten Sinne des Wortes dümmer als die Polizei erlaubt. Selbstredend stecken sie, wie es sich für einen guten Noir gehört, mit den herrschenden Kreisen unter einer Decke.

Auch das gehört zur Komik. Erst dort, wo ein Streit ausbricht, wo sich Parteien bilden, wo der Mensch in Gegensatz zu sich selbst, mit anderen oder mit seiner Umwelt gerät, werden wir auf etwas Komisches hoffen dürfen, hat Friedrich Georg Jünger geschrieben. Komik richtet sich an den Intellekt, an den Verstand – nicht an das Gefühl. In Bracks Roman geht es um einen Konflikt zwischen chinesischen Köchen auf der einen, und mafiösen chinesischen Banden, die China-Restaurants und Asia-Bordelle der Hansestadt kontrollieren, auf der anderen Seite. Die Köche werden wie Sklaven gehalten, gesetzliche Regelungen der Bundesrepublik lassen das zu. Sie rebellieren, haben aber eigentlich im System keine Chance, wären eben nicht auch die beiden Vermittlerinnen Rabe und Adler ins Spiel gekommen. Die wirbeln viel Staub auf, aber sie bleiben dabei Getriebene. Am Ende geht alles gut aus, aber nur weil der einflussreiche Anwalt letztlich die Dinge regelt.

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