Das erwarten Autoren nicht anders von sich. Die Amerikaner halt, sollen wir denken. Alles im Griff. Gegen jede Verschwörung ein probates Mittel. Der Brite Frederick Forsyth mag da dem Anschein nach mehr Subtilität erwecken und in Der Afghane die Notwendigkeit eines Geheimdienstes unterstreichen, der Sprache und Kultur des Nahen Ostens zu verstehen versucht. Doch auch bei ihm bleibt es dabei: Die Welt ist nur dadurch zu retten, dass wir schlauer, schneller, technisch besser ausgerüstet und natürlich mindestens so durchtrainiert wie Jason Bourne bei Robert Ludlum sind. Will man einen übermächtigen Gegner stoppen, dann müssen die eigene Kultur auf ewig überlegen, die machtpolitischen Absichten klar auszurechnen sein. Unter den hehren Zielen der Verbreitung unserer Demokratie wird der ein oder andere Kollateralschaden hingenommen. Huntingtons Kampf der Kulturen spielt da keine Rolle.

Begibt sich eine Autorin wie Jenny Siler ins Militärgefängnis nach Bagram, um den Tod eines Häftlings anzuprangern, zeigen sich Bestrebungen, nicht nur den Terrorismus zu bekämpfen, vielmehr die eigene Realpolitik zu vertuschen. Jenny Siler wählte bei der Veröffentlichung ein Pseudonym. 9/11 hat alles gesprengt. Autoren wie Siler, die sich nicht der offiziellen Richtlinie unterwerfen, bewegen sich vorsichtshalber in Andeutungen und Mutmaßungen. Die Wucht, mit der WikiLeaks über uns alle hereinbrach, die detaillierten Fakten, die als Landesverrat ausgelegt wurden, lässt so manchen literarischen Spionageplot als hanebüchen untertrieben dastehen.
    Ist die Welt noch zu retten? Die Frage muss anders lauten: von wem? Von den üblichen Verdächtigen? Den Dogmen des chinesischen Staatsrats? Dem wiedergeborenen Zaren? Oder dem Führer der westlichen Welt? Einem Mann, der sich selber misstrauen würde, wenn er sich auf der Straße begegnen könnte?
    Was wären wir ohne Verschwörungstheoretiker? Der Feind sitzt eigentlich nicht draußen, sondern drinnen. Die Welt könnte so schön sein, wenn nicht die eigenen Leute voller Machtgier oder Angst vor Entdeckung sie so hässlich machten. Auch wenn Olen Steinhauer in seiner Tourist-Trilogie altbekannte, diesmal chinesische Erzfeinde à la John le Carré und seinen berühmten Karla ausmacht, lässt sich der Eindruck nicht verhehlen – frei nach Wolfgang Leonhards Innenansichten des Stalinismus in Die Revolution frisst ihre Kinder – die Demokratie frisst ihre Verteidiger. Yes You Can. Really? Niemand ist der Macht so nahe gekommen wie Shakespeare. In seinen Stücken zerbrechen Träume an sich selbst.
    Wer die Welt retten will, wird entweder zum Mord abwägenden Technokraten, zur verblendeten Allzweckwaffe oder zum ausgebrannten Aufrechten. Dem Genre entsprechend liefern die Autoren das letzte Gefecht. Notfalls wenden ihre Helden sich angewidert von der großen Politik ab und streifen wie Jack Reacher von Lee Child als bestens ausgebildeter Lonesome Cowboy, als Rentner der globalen Aufrechnung durch die Heimat, und stellen sich allem in den Weg, das den Status Quo in Gefahr bringt. Es gilt ja nicht nur, die Taliban zu bekämpfen, Putin in seine Schranken zu verweisen, wir klammern uns an dem fest, was wir haben. Schließlich gibt es da auch noch die Drogenkartelle, die Industriespionage, die stinknormalen Psychopathen. Ein Fulltime-Job für Helden.

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