Wir stellen Kriminelle ein paar Jahre in die Ecke, sondern sie aus, überlassen sie sich selbst und schon wird alles gut. Die Angst vor einer weiteren Bestrafung wird es schon richten. Obwohl selbst der letzten Doku-Soko-Soap inzwischen klar ist, dass da womöglich ein Denkfehler existiert, dass wir die Soap brauchen, um alles Ungereimte zu richten. Wie auch sonst? Uns abschlachten lassen? Uns ausrauben lassen? Uns betrügen lassen?
    Wie sollen wir gegen den Hass, die Gier, die psychologisch erklärbaren seelischen Abgründe bestehen? Zumal uns perfide Autoren dazu verführen, die Täter sympathisch zu finden. Je nachvollziehbarer ihre schiefe Bahn ist, umso mehr bemitleiden wir sie, wenn sie ihrem Schicksal hinter Mauern entgegendämmern. Zumal dort die Hölle auf sie lauert. Kleinere Schikanen wie sexuelle Übergriffe noch erträglich erscheinen. Mord und Totschlag an einem am falschen Blick, einem Wort zu viel hängen.
    Allen Krimis, die in Gefängnissen beginnen, spielen oder enden obliegt eines: Der Überlebenskampf. Wenn Allan Guthrie in Slammer seinen Wärter Glass auf einen Rundgang schickt, erweckt der Autor den Eindruck, als befände sich hier einer auf dem Weg durch Dantes Divina Commedia. Von den Kollegen nicht geachtet, von der Ehefrau ständig unter Druck gesetzt, sieht Glass sich Männern ausgesetzt, für die keine Regeln mehr gelten, die ihn mit seiner Familie erpressen, so dass er am Ende durchdreht. Geschichten, die sich um das Gefängnis drehen, bieten wenig Spielraum. Gut und Böse? Ja, da draußen hinter den Mauern, da glauben sie noch daran. Sitzt man erst mal ein, gilt die Frage, warum jemand nicht einfach weggezogen, weggangen ist, nicht mehr. Wie auch? Sie lassen einen ja nicht. Abends schalten sie das Licht aus.
    Nur selten bieten Autoren eine strafrechtliche Katharsis an, einen Heiligen. Für die Verfilmung von Thomas E. Gaddis Roman Sehet die Vögel unter dem Himmel, der auf der realen Person Robert Strouds beruht, einem Lebenslänglichen, der sich in den Strafanstalten von Leavenworth und Alcatraz zum Vogelexperten entwickelte, gewannen Burt Lancaster und Telly Savalas beinah einen Oscar. Lancaster alias Gaddis gab den Geläuterten. Perfekt.
    Der Rest soll halt verkümmern oder sich gegenseitig abmurksen. Ganze Heerscharen ehemaliger Häftlinge bevölkern Don Winslows Racheorgien unter den Outlaws seiner Drogenoperetten. Wenn wir Mitleid mit Cool Hand Luke alias Paul Newman zeigen, dann wegen seiner schlitzohrigen Ausbruchversuche, seinem schelmischen Lachen. So einer darf nicht schuldig sein, so einer erinnert einen doch an Cousin Friedhelm. Auch Cool Hand Luke bekommt das Gesetz zu spüren. Zeigst du keine Reue, wirst du gebrochen. Und schon in der ersten Szene heimst er unsere Sympathien ein. Weil will nicht einmal betrunken Parkuhren absägen? Es hilft nicht einmal, sich für verrückt zu erklären und sich statt ins Gefängnis lieber in der Psychatrie einsperren zu lassen., wie McMurphy alias Jack Nicholson in One Flew Over The Cuckoo’s Nest erfahren durfte.

 

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