Von 2008 bis 2014 hast du einen eigenen Verlag gehabt, die New Pulp Press, und ihn dann verkauft. Jetzt residiert er in Florida?

Ich habe das als ein Hobby angefangen. Falls es finanziell zu Null aufging in den fünf oder sechs Jahren, die ich das gemacht hatte, war das eher Glück. Ich hatte keine Ahnung, auf was ich mich da einließ, habe mir alles »learning by doing« angeeignet. Meine wahre Liebe hat aber immer dem Schreiben gegolten. Nachdem Zerrüttung in den USA einen Verleger hatte, war mir klar, dass ich mich aufs Schreiben konzen- trieren will, nicht aufs Bücherverlegen, also habe ich den Verlag verkauft. Ich bin nicht auf dem Laufenden, welche Art Bücher sie da jetzt machen, aber ich weiß, es sind andere, als ich sie damals herausgebracht habe. Mehr will ich dazu nicht sagen.

Auf welche Bücher der New Pulp Press bist du besonders stolz?

Stolz bin ich auf alle Bücher, die wir gemacht haben. Aber wenn du so fragst, dann gilt das besonders für Hell on Church Street von Jake Hinkson und The Bastard Hand von Heath Lowrance. Diese beiden gehören zu originellsten und überzeugendsten Büchern, die ich in den letzten zehn Jahren gelesen habe. Ich schätze mich glücklich, sie herausgebracht zu haben, und ebenso glücklich bin ich, diese beiden Autoren als großartige Freunde gewonnen zu haben.

Kannst du deine Erfahrungen als unabhängiger Verleger kurz zusammenfassen?

Die größte Herausforderung ist, wie schnell sich alles ändert. Und so einfach und richtig es ist, auf Amazon herumzuhacken (ja, sie sind ein Riesenkrake), ohne sie würden die meisten unabhängigen Verlage nicht überleben. Auch du drüben in Germany, als jemand, der offensichtlich die Bücher der New Pulp Press kennt, wärst du ohne Amazon wohl kaum an sie gekommen. Ich habe mit der print-on-demand-Technologie gearbeitet und Amazon hat für einen Vertrieb gesorgt, der mir vor zehn Jahren noch versperrt gewesen wäre. Diese Technologie, die Amazon zur Verfügung stellt, hat es vielen Autoren erlaubt, die sonst unbekannt geblieben wären, eine gewisse Verbreitung zu finden. Andererseits setzt genau das auch eine gewaltige Menge schrecklicher Bücher in die Welt, aber vor zuviel Auswahl sollten wir uns nicht fürchten. Ich denke, für einige großartige Bücher bin ich ein ziemlich guter Verleger gewesen, aber von der geschäftlichen Seite her war es Hobby.

Hast du einen Rat für deinen deutschen Verleger Wolfgang Franßen?

Ha! Ich denke, Wolfgang macht das schon wirklich gut. Seinen Büchergeschmack mag ich sehr. Das echt nicht nur, weil ich da jetzt dabei bin.

Du wirst in Frankreich veröffentlicht und dort auch gut aufgenommen?

Oh, ja. Corrosion erschien dort Anfang 2016, und 2018 kommt The Incurables heraus. Ich hatte Gelegenheit zu einer zehntägigen Buchtour, und es war phantastisch. Nicht nur, Frankreich zu sehen, sondern mit Buchhändlern und Lesern aus einem anderen Kontinent zusammenzukommen – es war wirklich rundum erfreulich. Es gibt mir schon einen ordentlichen Kick, wenn ich die vielen Stunden in meinem Arbeitszimmer in Colorado sitze und weiß, dass tausende Meilen entfernt Menschen mein Buch in einer anderen Sprache lesen. Zerrüttung war für den Grand prix de littérature policière 2016 nominiert, ist also zumindest in gewissen Kreisen gut angekommen.

Kannst du die zwei Romane kurz zusammenfassen, die du seit Zerrüttung geschrieben hast? Und an was arbeitest du zurzeit?

Ich habe ein Buch namens Factory Town geschrieben, das unglaublich surreal und fremdartig ist. Es ist mein Lieblingsbuch, obwohl manche Leute es für unverständlich halten. Das war nicht mein Ziel, ehrlich, und ich verstehe es, dass nicht alle ihre Mußestunden damit verbringen wollen, tausende Puzzleteile zusammenzufügen. Andererseits, einige Leute mochten es wirklich, so auch einer meiner Horror-Helden, nämlich Ramsey Campbell. Also ist die Arbeit nicht ganz umsonst gewesen. Mein jüngstes Buch heißt The Incurables und dreht sich um Walter Freeman, den Pionier der transorbitalen Lobotomie. Im Lauf seines Lebens hat er rund 20.000 Lobotomien ausgeführt, er fuhr in seinem Lobotomobil durch das Land, ehe dieses Verfahren verboten wurde, weil es Menschen in Gemüse verwandelte. Bis zum letzten Atemzug hat er daran geglaubt, dass er seine Patienten gerettet und nicht verstümmelt hat. Wie dem auch sei, er ist die Hauptfigur; aber da ist auch noch ein Mann, der davon überzeugt ist, Gottes Sohn zu sein, und da ist noch eine soziopathische Prostituierte. Also eine perfekte Familiengeschichte. 2017 erscheint dann ein Roman mit dem Titel The Blade is Time (Diesmal das Messer). Das wird nichts für Schreckhafte.

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