Patterson und Junior habe eine sehr spezielle Beziehung …

Ein alter Mann, der wild und hart gelebt hat, will manchmal einen jüngeren Mann vor denselben Fehlern bewahren, indem er einschreitet und ihn ein wenig beruhigt. Ich war auf beiden Seiten dieser Beziehung. Aber es funktioniert niemals. Junge Männer, die so wild sind, müssen ihre eigenen Fehler machen. Am besten ist, wenn man ihnen hilft, am Leben zu bleiben, bis sie aus dieser Phase herausgewachsen sind.

Welche Rolle spielt Brother Joe mit seinen Verschwörungstheorien?

Bei diesem Buch war ich wirklich besessen von Verschwörungstheorien. Ich habe vermutlich an die hundert Seiten gestrichen, die ich über sie geschrieben habe. Verschwörungstheorien ergeben Sinn – wenn sie entstehen. Es gibt viele Menschen in diesem Land, die Pech hatten, die das schlechte Los gezogen haben. Ihre Jobs sind verschwunden, ihre Lebensgrundlage ist weg, und die Orte, an denen sie leben, werden von ökonomischen Kräften zerstört, die sie nicht verstehen. Sie leiden und alles, was sie sehen, sind Politiker, die sich für sie einen Scheiß interessieren. Deshalb glaube ich, dass es ganz normal ist, dass sie herauszufinden versuchen, was passiert ist – und dabei kommen sie auf Erklärungen, die verrückt erscheinen. Noam Chomsky sagte einmal, dass Verschwörungstheorien von den Menschen kommen, die versuchen, die Dinge zu erklären, die ihre Leben zerstört haben, aber nicht das historische Bezugssystem haben, um zu erkennen, was wirklich dahintersteckt. Es ist für sie fast wie eine Religion. Und wissen Sie, wir werden hier doch ständig belogen. Es gibt keinen Weg herauszufinden, was passiert, warum wir in diesem oder jenen Krieg kämpfen, warum wir unsere Kinder nicht zum Arzt bringen oder Essen auf den Tisch bringen können. Es ist schwierig, darüber nicht nachzudenken. Es ist ähnlich, wenn man einen Verlust oder eine persönliche Tragödie erlitten hat, dann ist es natürlich, darin eine Bedeutung zu suchen. Es mag die falsche Bedeutung sein, sie mag keinen Sinn ergeben, aber manchmal ist es das Einzige, was einen dazu bringt weiterzumachen, zu versuchen, eine Bedeutung in dem Bedeutungslosen zu finden.

Was suchen Ihre Figuren in ihrem Leben?

Ich denke immer an etwas, was Woody Guthrie einst zu Alan Lomax über den Blues gesagt hat. "I’ve always called [the blues] being lonesome. You can get lonesome for a lot of things. You can get lonesome for a job, lonesome for some spending money, lonesome for some drinking whiskey, lonesome for a good time, pretty gals, wine, women, and songs. Thinking that you are down and out and disgusted and busted and can’t be trusted, why, it gives you a lonesome feeling. Somehow the world has sorta turned against you." Für mich sind das diese Figuren. Sie sind einsam, abgehängt, verloren. Ich kann es nicht so gut sagen, wie Guthrie es gesagt hat, aber ich versuche es.

Man müsse nicht besonders unglücklich sein, um sich selbst zu töten. Das normale Leben reiche dafür aus. Diese Sätze aus Ihrem Buch sind bei mir hängengeblieben. Was steckt dahinter?

Ich glaube, es war Thoreau, der sagte, dass „the mass of men lead lives of quiet desperation”. Diese Art Menschen, meine Art, bekommen nur das Leben, das sie haben. Es sind Menschen, die das Beste aus dem machen, was sie bekommen haben – und das ist nicht viel. Es gibt keine tatsächliche Chance, dass es besser wird. Und das ist die größte Einsamkeit, die mein Herz zerbrechen lässt: Ein Leben zu leben, das von kleineren Fehlschlägen und Tragödien heimgesucht wird, ohne Hoffnung, dass es jemals besser wird. Es scheint, dass viele Menschen in meinem Land gerade genauso leben.

Ich würde gerne noch über Ihren Schreibprozess reden. Wie gehen Sie vor?

Es gibt keine Entschuldigung dafür, wie albern mein Prozess ist. Ich fange mit einem Plot oder einer kurzen Ausarbeitung an, die ich dann völlig aus den Augen verliere, so dass ich einfach blind vorangehe. Letztlich schreibe ich Bücher, weil sie für mich Unterhaltungen mit der Welt um mich herum sind. Das bedeutet, dass ich immer an ihnen herumfummele, sogar, wenn ich glaube, ich mache es nicht. Deshalb schreibe ich immer mehr als ich brauche. „Nach mir die Nacht“ war viel, viel länger, dann habe ich es gekürzt, bevor es jemand sehen konnte, nach einer Unterhaltung mit meinem französischen Verleger, Oliver Gallmeister, habe ich es noch einmal um ein Viertel gekürzt. Ich weiß, dass es klügere und effizientere Wege gibt, Romane zu schreiben. Aber ich scheine nicht herausfinden zu können, wie es geht.

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