Ein weiterer verbreiteter Verlierer-Typ in der Kriminalliteratur ist der Privatdetektiv. Seit Philip Marlowe ist das „Verliererhafte“ charakterisierender Bestandteil all der hartgesottenen Privatdetektive in seiner Nachfolge. Sie stehen für die Wende der Kriminalliteratur hin zum ‚Realistischen’, zur ‚Straße’, sie verkörpern Außenseitertum und Rebellion, zugleich trägt jeder harte Privatdetektiv auch eine Geschichte des Scheiterns mit sich. Diesem Scheitern wohnt aber zum einen eine Grenze inne: Beispielsweise hat Jörg Juretzka seinen Mülheimer Privatdetektiv Kristof „Krüschel“ Kryszinski zwölf Bände lang immer weiter den Abgrund hinunter taumeln lassen, sodass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis er endgültig darin versinkt – oder seine Glaubwürdigkeit verliert. Denn auch bei einem Privatdetektiv gibt es eine Grenze an Schlägen, die er einstecken kann. Zum anderen erscheint es paradox, dass ausgerechnet die ermittelnden Außenseiter und Verlierer Kriminalliteratur oftmals zu einer Literatur der Gewinner machen, indem sie wenigstens einen Teil der Wahrheit herausfinden und damit für etwas Ordnung auf der Welt sorgen, die sie zu Verlierern gemacht hat. Sie verweisen somit auf die Fehler der Gesellschaft und des Systems, helfen aber zugleich, es aufrechtzuerhalten.

Anders ist es im Noir, dort ist die Lage am Anfang schlecht, am Ende noch schlechter. Verlierer bleiben hier Verlierer, für sie geht es wie für Newton Thornburgs „Cutter und Bone“ nur noch weiter bergab. Manche geben sich der illusorischen Hoffnung hin, es würde besser werden. Aber wohin Hoffnung führt, hat Jim Thompson in „Getaway“ bereits erzählt: Nachdem sich Doc McCoy und Carol endlich ins mexikanische El Rey durchgeschlagen haben, landen sie in der Hölle. Sehr deutlich ist diese Tendenz auch im Film noir zu sehen: In Fritz Langs „You only live once“ scheint es für den auf Bewährung entlassenen Eddie (Henry Fonda) einen Weg in ein bürgerliches Leben zu geben, aber dann landet er wegen eines Fehlurteils im Gefängnis, bricht aus, flüchtet mit seiner schwangeren Frau und wird erschossen. Und wie viel Verlierer tatsächlich in Marlowe steckt, ist in Robert Altmans Adaption von „The Long Goodbye“ (1973) zu sehen. Hier ist Marlowe (Elliott Gould) immer verlorener in einer Welt, die er nicht mehr versteht, sodass er schließlich zum letzten Mittel, der Gewalt, greift. Denn nach eigener Aussage hat Altman Marlowe gesehen wie Chandler es wollte: „I see Marlowe the way Chandler saw him, a loser. But a real loser, not the false winner Chandler made out of him. A loser all the way.“

Sonja Hartl©11/2016

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