Er hat damit vor gut sechs, sieben Jahren angefangen. Zuerst veröffentlichte er eine neue Sammlung von Kurzgeschichten seines populären New Yorker Privatdetektivs Matthew Scudder. Das habe gut begonnen, „und es läuft gut bis zum heutigen Tag“, sagt Block. Seinen elften Krimi um den bei Lesern in den 80er und 90er Jahren sehr populären Dieb Bernie Rhodenbarr, Der Dieb, der die Löffel zählte,  brachte er dann erstmals nicht bei einem etablierten Verlag, sondern nur als Selbstveröffentlichung heraus. E-Books und Book on demand hätten den Vorteil, dass er mit der neuen Technik näher am Leser und am potentiellen Markt sein könne als traditionelle Verleger, meint Block.

    Was Lawrence Block – in Amerika sehr erfolgreich – praktiziert, wird auch unter deutschen Autoren zum Thema. Die in der Autorenvereinigung Syndikat organisierten deutschen Krimischriftsteller haben sich auf ihrer Jahrestagung 2015 in Büsum damit beschäftigt: „Fünf Vertreter des Buchmarkts und eine Frage: Schreibst du noch oder selfpublishst du schon?“, hat die Autorin Anja Marschall ihren Bericht darüber im Jahrbuch des Syndikats getitelt. Die Regeln, nach denen der Buchmarkt über Jahrzehnte mehr oder minder funktionierte, seien dank neuer Techniken und Geschäftskonzepte ausgehebelt, stellt sie fest.

    Doch Buchhandel 4.0 ist nicht nur Segen. Die Überproduktion nimmt gigantische Ausmaße an. Vieles wird nicht wahrgenommen, oft sind Stil und Rechtschreibung unter allem Niveau. Doch auch ein Autor, der im E-Book-Markt als Self-Publisher halbwegs erfolgreich sein will, muss alle drei oder vier Monate ein Buch online stellen. Block kann das, ein halbes Jahrhundert Backlist helfen ihm. Wenn ein E-Buch 2 Dollar 99 kostet, deckt es, wenn es gut läuft, nach sechs Wochen die Kosten, sagt Block.

    In Amerika ist Block auch deswegen mit Self-Publishing so erfolgreich, weil er eine große Fangemeinde über Mails und Blogs erreicht. Die neuen Vertriebswege bringen Leser und Autor näher zueinander.

   „In gewisser Weise ist es, wie es immer war“, sagt Block. „Der eine schreibt ein Buch, der andere liest es.“

    Es gibt aber auch grundlegende Veränderungen. Es ist viel leichter für Leser und Schriftsteller, miteinander zu kommunizieren. Netzwerke wie Facebook oder Twitter, auch E-Mails verändern die Beziehungen zwischen beiden nachhaltig. Das Schreiben ist anachronistischer geworden bei zunehmendem Druck auf die Autoren – nicht nur auf Neulinge, auch auf „alte Hasen“ wie Block. Eine hohe Präsenz in den sogenannten sozialen Medien ist schon jetzt ein Muss für Autoren. Besprechungen in Zeitungen erreichen verglichen mit den guten alten Zeiten lange nicht mehr die Aufmerksamkeit, die sie früher hatten.

    In Amerika setzt Block auf eine gemischte Strategie. Alte Titel, auch die eine oder andere Neuerscheinung veröffentlicht er im eigenen LB-Verlag als Lawrence Block Production im Netz oder als Book on demand , zum Beispiel über Amazon. Er setzt aber auch weiter auf die alten Verlagsschienen. Hard Case Crime, einer der bekanntesten amerikanischen Verlage für Noir-Krimis steht dabei ganz oben auf der Liste. Der alte Weg, einen guten Verlag für die Veröffentlichung zu finden, bleibe weiterhin wichtig. Das gedruckte Buch ist und bleibt für die meisten Schriftsteller eben doch das hehrste Ziel – nicht nur, weil Verlage professionelles Lektorat und damit Qualitätsansprüche und Image versprechen. In einer edlen Hardcover-Ausgabe hat der Altmeister des Krimis seinen neuesten Kriminalroman The Girl with the deep blue eyes  deswegen im September 2015 auch wieder bei Hard Case Crime veröffentlicht.

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