Heute stehen Krimis made in Germany selbstbewusst neben den Geschichten aus Amerika, England, Schottland, Frankreich, Lateinamerika oder Afrika. Heute scheint alle Welt Krimis zu lesen. Und glaubt nicht bald jeder, er könne einen Kriminalroman schreiben? Im ganz neuen deutschen Krimi des 21. Jahrhunderts führt das dazu, dass mittlerweile jede deutsche Kleinstadt von Husum bis Passau, von Aachen bis Bautzen zwei bis drei Ermittlerfiguren in ihren Stadtmauern hat.

    2) Diese Überproduktion an Büchern stößt auf einen Buchhandel, dessen Strukturen sich radikal verändern. Kleine Läden, die sich oft durch die Beratung engagierter Buchhändler auszeichneten, sind im Stadtbild rar geworden. Große Ketten, Buchverkäufer statt Buchhändler bestimmen das Bild. Dort wird verkauft und angeboten, was strategisch die Bestsellerlisten kapert oder sich – als eine der immer noch möglichen Ausnahmen – wie vor einigen Jahren Andrea Maria Schenkel mit Tannöd mit neuen Formen durch Mund-zu-Mund-Propaganda und später folgende Publizität durchsetzt. Auch mancher dieser Schriftsteller beugt sich dann aber doch dem Diktat des Massenmarktes. Selbst ein Autor wie Don Winslow korrigierte die Komplexität seiner Plots und seiner Sprache auf stromlinienförmige Konformität. Ein Blick auf die Mainstreamerfolge gibt Autoren eine klare Botschaft: Variiere niemals ein erfolgreiches Krimikonzept! Frei nach Konrad Adenauer: „Keine Experimente.

    3) Auch Technik und Vertriebswege verändern sich. Das E-Book ermöglicht es, Romane über das Internet zu den Lesern zu bringen – ohne die hohen Kosten für Druck und Vertrieb. In den Vereinigten Staaten ist in der Belletristik mittlerweile jedes fünfte Buch ein E-Book, das aus dem Netz runtergeladen wird. In Deutschland liegt die Quote bei gut 10 Prozent – Tendenz langsam steigend. Nicht nur für Verlage bietet das E-Book Möglichkeiten. Wo Möchtegern-Autoren ihre Werke früher nur für teures Geld in Druckkosten-Verlagen auf den Markt kommen konnten (und dort nur selten wahrgenommen wurden), bieten Self-Publisher wie der Online-Buchhändler Amazon.de jedermann an, für wenig Geld  die eigenen Werke in die Öffentlichkeit zu bringen. Ein niedriger Preis – deutlich unter dem der professionellen Konkurrenz – soll die Bücher für Leser attraktiv machen. Für viele Debütanten, die keinen Literaturagenten finden und bei den Verlagslektoraten abblitzen, ist das ein einfacher Weg, den Traum vom eigenen Roman Wirklichkeit werden zu lassen. Rund 30000 Neuerscheinungen verzeichnet angeblich allein Amazon Jahr für Jahr in diesem Markt – 82 Titel pro Tag. Aber auch immer mehr Erfolgsautoren wie Block entdecken die Vorteile des Buchmarkts 4.0 für sich. Mehr als 100 Titel hat der Autor, der seit einem halben Jahrhundert schreibt, in seiner Backlist. Kaum eines gibt es noch im Buchhandel.

    Block war deswegen einer der Ersten, der sich neu orientiert hat. Die digitale Welt bietet ihm Chancen, als Autor auch ohne Verlage und ohne den Buchhandel zu existieren. Der 77 Jahre alte Schriftsteller praktiziert „Self-Publishing“ in den Vereinigten Staaten schon seit einigen Jahren erfolgreich.  Seine Strategie: Self-Publishing – und zwar als E-Book im Netz und als Book on demand auch in Papier. Er muss dabei keine Druckerei vorhalten, gedruckt und gebunden wird bei Amazon.

    „Ich habe damit angefangen, als ich das Potential dafür erkannt habe“, sagt er. Block schreibt seit den 1950er Jahren Kriminalromane. „Ich habe eine lange Backlist vergriffener Romane“, sagt er, „und ich war erfreut über die Aussicht, sie wieder zurück in die Hände von Lesern zu bringen.“

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