Hegels Fluch über dem deutschen Noir

Wenn sich die gesellschaftlichen Konflikte zuspitzen, dann schlägt die Stunde des Politthrillers. Immer mehr Romane werden unter dem Label des Noir auf den Markt gebracht. Doch gerade in der Bundesrepublik tun sich Autoren schwer mit dem Noir. Spukt zu viel Hegel, zu viel Marx im Denken deutscher Kriminalschriftsteller herum, um den Glauben an den Sieg des Guten in der Welt zu verlieren? von Carsten Germis

Die Wurzel des Polit-Thrillers in Ostfriesland

Erskine Childers, Schriftsteller, Verteidiger des britischen Empire und später Kämpfer für die Unabhängigkeit Irlands schrieb den ersten richtigen Polit-Thriller, der bis heute weltweit bekannt ist. Was seine Helden 1903 auf der deutschen Nordsee erlebten, ist Strickmuster vieler Spionage- und Politikkrimis bis heute. von Carsten Germis

Tief in der linken deutschen Seele

In keinem anderen Land sind Krimis aus Skandinavien so beliebt wie in der Bundesrepublik. Das hat viel zu tun mit der politischen und kulturellen Hegemonie liberaler 68er, die den öffentlichen Diskurs in Deutschland bestimmen. Krimis aus dem hohen Norden sind gesellschaftskritisch – bleiben dabei aber immer brav politisch korrekt. Wie SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, der auftritt, als wäre er einem Kriminalroman aus Schweden entsprungen. von Carsten Germis

Immer treu

Ohne Ordnung und Berufsverband geht es nicht in Deutschland. Daher gründeten die Gangster in Berlin schon zur Kaiserzeit Hilfswerke – die Ringvereine. Volker Kutscher hat den Verbrecher-Syndikaten in seinen Kriminalromanen aus der Endzeit der Weimarer Republik und den ersten Jahren der NS-Diktatur ein Denkmal gesetzt. So viel deutsche Gangster und dunkle Gestalten aus der Unterwelt gibt es im deutschen Kriminalroman sonst nicht. von Carsten Germis

Amerika ist überall

Der amerikanische Autor James Ellroy hat mit seinem ersten L.A.-Quartett und seiner Underworld-Trilogie die Grenzen des Kriminalromans gesprengt. Er will mit seinen Büchern schildern, was schlechte Menschen für die amerikanische Geschichte geleistet haben. Die liberale Welt sähe anders aus, hätte es nicht die Männer gegeben, die die Drecksarbeit machten. Für Ellroy ist es an der Zeit, einen neuen amerikanischen Mythos zu begründen. von Carsten Germis

Amerika ist überall

Kriminalromane füllen weltweit die Regale der Buchhandlungen und finden hunderte Millionen Leser. Maßstab für Autoren, die mehr als reine Unterhaltung schreiben wollen, bieten vor allem die “Hard-boiled”-Krimis aus den Vereinigten Staaten. Dafür gibt es Gründe – nur einer davon ist der globale Siegeszug des grenzen- und schrankenlosen Kapitalismus. von Carsten Germis

Drei Thesen zur Krimikritik in Deutschland

Auch auf der Angebotsseite, sollte man meinen, steht es so gut um die Krimikritik wie nie. Das mag damit zu tun haben, dass die Zeiten vorbei sind, in denen die Literaturwissenschaft an deutschen Universitäten Kriminalliteratur als schmuddelig ansah und sich damit nicht beschäftigen wollte.   von Carsten Germis

Wie geht Buchmarkt 4.0?

Die Zeiten haben sich geändert, auch für die  Krimiautoren dieser Welt.  Das Diktat des Mainstreams in den Verlagen der westlichen Welt, der Siegeszug der E-Bücher und immer stärker auch das Self-Publishing stellen Altbekanntes in Frage. Mancher Autor, auch mancher, der sich am Markt schon lange durchgesetzt hat, orientiert sich deswegen neu. Was Industrieunternehmen ihr "Industrie 4.0" ist, ist ihnen der "Buchmarkt 4.0". Altmeister Lawrence Block in New York ist einer von denen, die wissen, wie er funktioniert. von Carsten Germis

Im Schatten der Reichsschrifttumskammer

Mit Autoren wie Hansjörg Martin, Irene Rodrian, Friedhelm Werremeier wollte der unter dem Pseudonym –ky schreibende Bosetzky in der alten Bundesrepublik in den 1960er-Jahren eine eigene Form des deutschen Krimis begründen. von Carsten Germis

Ein "Seitensprung" mit Japans Yakuza

Glaubt man Peters, ist es ihm mit seinem ersten Kriminalroman so ergangen, wie es im wahren Leben oft auch mit dem Seitensprung ist. Es passierte einfach. Wenn seine Frau in der Wohnung der Familie auf dem Prenzlauer Berg in Berlin am Sonntagabend „Tatort“ sieht, dann ziehe er sich zurück, sagt Peters. Krimis als Lesestoff? Ebenfalls komplette Fehlanzeige. von Carsten Germis

Eine Krise der Ermittler? Dann steckt auch die Demokratie in der Krise

Gibt es sie also wirklich, die Krise der Ermittler im Kriminalroman?Wirtschaftlich ist das – wie jeder Gang in Buchhandlungen beweist – ganz offenkundig nicht der Fall. Doch auch ästhetisch, inhaltlich scheint der Ermittlerkrimi nicht totzukriegen zu sein. Er lebt, vielleicht sogar besser denn je. von Carsten Germis

Von Irland nach Japan

Den Kelten liegt das Erzählen im Blut, heißt es. Und wer je in einem Pub in der irischen Provinz einem alten Geschichtenerzähler gelauscht und dazu ein paar Guinness getrunken hat, der weiß, dass etwas dran ist an dieser Theorie. Aber Krimis? Selbst Iren zucken da oft mit den Schultern. Es stimmt, nicht nur der Noir, der Kriminalroman selbst ist auf der grünen Insel ein vergleichsweise neues Gewächs. von Carsten Germis

Das U und E des Kriminalromans

Sind Kriminalromane nur Unterhaltung, die verschämt gelesen wird? Oder haben Krimis es geschafft, in den Rang der "ernsthaften" Literatur aufzusteigen? Eine dumme Frage. Wer Krimis liest, braucht Maßstäbe dafür, ob ein Buch gut oder schlecht ist. Ob U oder schon ein bisschen E spielt dabei keine Rolle.  … von Carsten Germis

Frau an der Flasche

Oliver Bottini ist einer der besten deutschen Krimiautoren. Mit seiner Kommissarin Louise Boni hat er es gewagt, die Welt aus der Sicht einer Frau zu schildern. Ganz ohne Klischee geht das wohl nicht. von Carsten Germis

The New John Rebus

Ian Rankin hat 1987 mit dem Polizisten John Rebus aus Edinburgh eine der erfolgreichsten Serienfiguren des Kriminalromans geschaffen. 2007 ging der Detecive Inspector eigentlich in Rente – er kehrte zurück aus dem Ruhestand, weil Leser und Kritik es wollten. von Carsten Germis

Im deutschen Biedermeier rückt der Krimi nach rechts

Wäre da nicht noch diese Gegenübersetzung: Thriller rechts, Krimis links. McDermid beruft sich bei diesem Urteil auf ihren schottischen Kollegen Ian Rankin. Der Krimi stehe dem Status quo kritisch gegenüber – manchmal offen, manchmal subtil – und er gibt den Menschen eine Stimme, die es in der etablierten Welt nicht so angenehm haben – den Einwanderern, den Prostituierten, den Armen, den Alten, sagen die beiden und glauben, so ihre These zu stützen.  … von Carsten Germis

Komik ist im Krimi (fast) überall

Könnte es also sein, dass gerade der ambitionierte Kriminalroman, der Noir, Komik gut gebrauchen kann? Der Hamburger Autor Robert Brack – oft mit Krimipreisen geehrt und unverdächtig, einer der von der Kritik geschmähten Mainstream-Schreiber zu sein – hat in der Szene nicht den Ruf komisch zu schreiben. Und doch: Mit „Die drei Leben des Feng Yun-Fat“ hat Brack im Februar eine Fortsetzung seiner bislang drei Lenina-Rabe-Kriminalromane geschrieben, die es in Sachen Komik in sich hat. von Carsten Germis

In der Nische des Extremen

Der kleine Festa-Verlag in Leipzig pflegt in Deutschland die richtig harten Psychothriller und dunkele Science Fiction. Auch Krimis sind im Angebot. Dabei ist Festa so etwas wie Pulp in Hochglanzleder. von Carsten Germis

Kawaii, kawaii

In Japan wünschen die Männer Frauen möglichst kawaii – süß, niedlich, kindlich. Warum Japanerinnen zur Femme fatale werden wollen, hat Krimi-Autorin Natsuo Kirino anschaulich erzählt. von Carsten Germis

Am Anfang weht der Geist der 68er

Mit dem sogenannten Soziokrimi begann vor einem halben Jahrhundert in  der Bundesrepublik der “neue deutsche Krimi”. Ist das alles nur noch Geschichte oder wirkt der Anfang bis heute nach? von Carsten Germis.

Die Yakuza entdeckt den Casinokapitalismus

Einer der besten Kenner der Yakuza, der japanischen Mafia, ist ein Amerikaner: Jake Adelstein. […] „Er ist wie jemand aus einem Krimi von Raymond Chandler.“ Als wir uns an einem Abend in einem Restaurant in Tokios Ausgehviertel Roppongi treffen, sitzt der Amerikaner versteckt in einer Nische. Ganz in schwarz gekleidet, die Nase leicht schief, seit Gangster ihn einst zusammenschlugen, die schwarzen Haare kurzgeschoren, beobachtet er aufmerksam jeden Neuankömmling. von Carsten Germis

Am Anfang war der Ort

Die Kriminalschriftstellerin P.D. James sucht zuerst nach einem Schauplatz für ihren Roman, dann nach Plot und Charakteren. Der Ort, an dem der Kriminalroman spielt, schafft vor allem Atmosphäre. Hier agieren die Charaktere. Hier leben sie, hier handeln sie … Dabei ist es zu schlicht, den Gegensatz zwischen Provinz als heimeligem Krimi auf der einen und dem Dschungel der Großstadt für den Noir auf der anderen Seite aufzubauen. von Carsten Germis

Geliebtenmörder, japanisch

Keigo Higashino ist in Japan einer der bekanntesten und beliebtesten Krimiautoren. In zwei seiner jetzt ins Deutsche übersetzten Bücher geht es natürlich um Mord. Vor allem aber geht es um die Liebe. Manchmal muss einfach morden, wer wahrhaft liebt. von Carsten Germis

Unterwegs in Bombay – mit Kriminalistik aus Österreich

1947 hat sich Indien von der britischen Kolonialherrschaft befreit. 1964 schrieb Henry Reymond Fitzwalter Keating seinen ersten Krimi mit dem schrulligen indischen Inspector Ghote. Dabei war er nie in dem Land gewesen. Ein klarer Fall von Kolonialismus?
von Carsten Germis

Sherlock Holmes und die Spannung in der Kriminalerzählung

Es gibt beim Erzählen zwei Arten von Fragen, die kausale Zusammenhänge aufzeigen. Wer war's? Und: Was passiert wohl als nächstes? In der klassischen Kriminalerzählung von Sherlock Holmes bis zu den Rätselkrimis der Agatha Christie findet sich dieses Element der Spannung wohl in der klarsten und am stärksten ausgeprägten Form.
von Carsten Germis

Der Staat als Auftraggeber für Mord

Das 21. Jahrhundert entmündigt Individuen durch Datenspeicher und manipuliert die Menschen, indem die Netze ihr Handeln im Vorhinein kontrollieren. Menschen zum Morden zu zwingen ist da nur ein logischer nächster Schritt. Koushun Takami hat in seinem Thriller "Battle Royale" gezeigt, wie diese Zukunft aussehen könnte. von Carsten Germis

Jazz, ein Single Malt und ein Deal mit Amazon

Barry Eislers Romane um den Halb-Japaner John Rain, einen früheren CIA-Agenten und freiberuflichen Auftragskiller, gehören zu den erfolgreichsten Thrillern der letzten Jahre. Auch Musik spielt eine Rolle. Und was passte besser zum Polar als Jazz? Mit dabei: Amerika- und Kapitalismuskritik, nicht immer ganz klischeefrei – und ein bisschen Selbstverlegen mit Amazon. von Carsten Germis

Japans dunkle Seiten, zweischneidig

Wer tief in die Abgründe der japanischen Gesellschaft blicken will, der kommt an Natsuo Kirinos Thriller „Die Umarmung des Todes“ nicht vorbei. Mit den Augen von Frauen aus der Unterschicht zeigt sich ein Land, das ganz anders ist als die gängigen Klischees.
von Carsten Germis

Die Geburt der japanischen Horrorgeschichte im heißen Sommer

Geht es um Gruselgeschichten oder blutrünstige Filme, sind Autoren aus Japan immer ganz vorne mit dabei. Dafür gibt es gute Gründe – die tief in der Vergangenheit des Landes liegen. von Carsten Germis

Der Böse geht, das Böse bleibt.

Es ist die Nacht vom 8. auf den 9. November 1932. Zwei Tage zuvor hat die NSDAP ihre erste Wahlniederlage erlitten. Kommissar Stefan Soetting wird nach Weimar geholt. Er kennt den Toten, der da erschlagen auf dem Bett im Hotel Elephant liegt: Es ist Adolf Hitler.
von Carsten Germis

Tokios Mann für die speziellen Morde

Tokio besitzt die niedrigste Mordratte auf der Welt, bei der Spurensicherung bis hin zur DNA-Analyse technisch weit voraus. Warum man in Tokios schmalen Betten womöglich beruhigter schlafen kann als in unseren europäischen Metropolen, davon erzählt Kenji Ohno, Superintendent bei der Tokyo Metropolitan Police.
von Carsten Germis

Tokio, reloaded

Für den preisgekrönten englischen Krimiautor David Peace ist der Ort, an dem seine Romane spielen, mindestens so wichtig wie der Plot. Nirgendwo zeigt sich das deutlicher, als in seiner Trilogie über die japanische Hauptstadt Tokio.
von Carsten Germis

Rebellen und Verbrecher, international

Im Noir ist das Aufbegehren gegen die als korrupt empfundene Gesellschaft ein Leitmotiv. Die unterschiedlichen Kulturen schimmern aber – aller Globalisierung zum Trotz – auch im Kriminalroman weiter durch.
von Carsten Germis

Ein junger Meister des Noir aus Japan

»Chotto hen«, ein bisschen verrückt, so beschreiben viele Japaner, die seine Krimis gelesen haben, Fuminori Nakamura. Wer von vielversprechenden Neuentdeckungen im japanischen Noir sprechen will, der kommt an Nakamura nicht vorbei. von Carsten Germis