Zaunkönige

Islamisten im Schafspelz einer friedlichen Opposition, wechselnde Allianzen, das Für und Wider mit Blick auf ein stärkeres, deutsches Engagement im Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern und die Frage, ob wir alleine – oder zusammen mit Europa – eine andere Rolle spielen können als die USA. Der Nahe Osten fasziniert wie ein unheilvolles und dunkles Kristall. von Jörg Walendy

Im Tunnel

Eigentlich sind es nur knapp fünfzig Kilometer Luftlinie zwischen Ramallah und Tel Aviv. Bei freier Straße ist das in weniger als einer Stunde machbar. Verdeck auf. Musik an. Mittags schwimmen am Strand. Nachmittags zur Grillparty hoch in die Berge. Theoretisch. Denn die Straße ist von Kontrollpunkten zerschnitten. Jerusalem und die „green line“ zwischen „Israel proper“ und dem Westjordanland, beides liegt dazwischen. Ein Konflikt, der uns nicht loslässt. von Jörg Walendy

Morden Israelis anders?

Jeder kennt hier seine eigene Wahrheit und von Deutschland aus kann es leicht wohlfeil wirken, die Ereignisse aus der Sicht der einen oder der anderen Seite zu kommentieren. Wer außer den Betroffenen weiß schon wirklich, wie es sich anfühlt, in Khan Younis oder in Aschkelon Schutz vor Raketen und Granaten suchen zu müssen? Und dennoch: die Bilder und die damit verbundenen Gefühle von Mitgefühl, Angst, Schuld und manchmal Hass sind da. von Jörg Walendy

Frühlings Erwachen, arabisch

Wer sollte das nicht gutheißen, wenn die Gefühle zwei zuvor verfeindete Seiten zusammenbringen? Wer? Nun ja, der Plot. Denn wenn die Liebe als deus ex machina in Erscheinung tritt, dann kann ihr Einsatz billig wirken. Warum sollte ich über Seiten einen Konflikt mit unversöhnlichen Gegnern konstruieren, um dann binnen weniger Zeilen alle Zerwürfnisse unter Verweis auf die Liebe einzuebnen? von Jörg Walendy

Reality Check

Was soll das Rätselraten um Täter, Opfer und Motiv vor einem politischen Hintergrund, der jeden als Täter und Opfer erscheinen lässt? Warum soll ich mich für die Ermittlungen des von Rees geschaffenen Omar Jussuf interessieren, wenn wenige Meter neben der „offiziellen Leiche des Romans“ dutzende weitere liegen? Erschlagen von Kassam-Raketen, Drohnen, Präzisionsgewehren oder Fassbomben. Wenn es überall brennt, welche Bedeutung hat dann noch ein einzelner Funke? von Jörg Walendy

Am Nullpunkt

Schnelle Verurteilung und Haft. Dann seine Flucht bis nach Mexiko. Zum Ende hin wieder Haft und erst nach fünfzehn langen Jahren die Erlösung. Carlotto scheint zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Und das auch noch mit der falschen Gesinnung. von Jörg Walendy

Qui tue qui

Eine Leiche. Wenige Personen. Alles am besten an einem isolierten Ort. Einer wird es gewesen sein. Jeder könnte der nächste sein. Der klassische „Whodunit“ wirkt mitunter staubig und bunt. Dabei ist er in erster Linie ein Denkspiel. von Jörg Walendy

Wie ein Faustschlag ins Gesicht. Morte villana, die pietà nemica ...

Der Mann war ein italienischer Gewaltverbrecher und Serienkiller. Brutal, klischeehaft düster-mediterran. Jedenfalls, wenn man der Berichterstattung zu seinem Fall glauben will oder ihn schnell skizzieren muss und dabei mit klassischen Versatzstücken spielt. Geboren am 3. April 1962 in Mestre, gestorben am 23. Mai 1988 in Vicenza. Mit dem Gesicht in einer Plastiktüte. Der reale Fall und der dramaturgische Umgang damit. Das hat mich zum Kriminalroman gebracht. von Jörg Walendy

Politisches Gift

Yasser Arafat soll nun also doch womöglich ermordet worden sein. Oder doch nicht? Sind die neuesten Fakten etwa nur Geschichten, die erfunden wurden, um Anschuldigungen zu untermauern. Vielleicht gar Stoff für einen Thriller?
von Jörg Walendy

Friedhof der Utopien, strahlend schön

Algier. Die Stadt ist ein Nicht-Ort unserer Wahrnehmung und unserer Sehnsüchte. Boualem Sansal mit seinen Anklagen gegen das System des "Tiefen Staates", gegen "le Pouvoir", ist nur schwer lesbar ins Deutsche zu übertragen, Yasmina Khadras Kriminalromane aus dem Algier der frühen 90er Jahre, die Sorgen seiner Helden und Schurken vor dem Hintergrund des erst aufziehenden Islamismus nicht mehr aktuell in einer Welt, in der die arabische Revolution schon die unterschiedlichsten Jahreszeiten hervorgebracht hat. von Jörg Walendy