Ascher Fellig, Weegee, war Fotograf. Durch und durch. Ein Noir-Künstler, der keine Bücher schrieb, aber all jene Momente der Trostlosigkeit ablichtete, die in den Sätzen bei einem Hammett, bei einem Chandler, bei einem Woolrich, bei einem W.R. Burnett auftauchten. Gleichermaßen ein Vorgänger der heutigen Paparazzi, die sich auf Kate Middletones prallen Bauch oder den Lichteinfall beim Sterben in Afghanistan, dem Irak oder Syrien spezialisiert haben. Er hörte den Polizeifunk ab, um noch vor den Ermittlungsbehörden am Schauplatz einzutreffen. Ein Junkie der Authenzität. Heute würde er sich der Handyortung und des GPS bedienen, vielleicht seinen Kontakt zur NSA ausbauen.

     Sein Blick war nicht in Fotoseminaren geschult worden. Er hatte sich mit vielen Jobs durchs Leben geschlagen. Oft genug, nicht gewusst, wo er übernachten sollte. Er kannte sich auf der Straße und in den Hinterhöfen, auf den Cocktailpartys und in den Garderoben aus. Trotz zahlreicher Anfeindungen war es hip ihn zu kennen. Es soll mitunter sogar vorgekommen sein, dass jemand selbst ein skandalöses Foto über sich in Auftrag gab, um in aller Munde zu sein.

     Sie nannten ihn einen „poor immigrant boy“ und einen „free lancer newspaper photographer“. Seine Fotos waren nicht ohne Pathos. Sie schalteten die Distanz zwischen dem Betrachter und dem Abgebildeten aus. Zum Teufel mit der Correctness. Nicht selten fühlt man sich als Betrachter ertappt. Angezogen von der Gewalt, wie von der fremde Blöße.

     Neben den Filmen aus den 40ern, 50ern waren es die Fotografen, die jene Momente einfingen, aus denen sich ganze Romanlandschaften entwickelten. Mitten drin ein zigarrenrauchender Maniac. Ein Rebell, der sich nicht zu schade war, sich für ein Foto anzubiedern, der nicht davor zurück schreckte, sich anfeinden zu lassen. Erst viel später wurde er zu jemandem, für den sich Kuratoren interessierten. Kult war er auch schon vorher. Allerdings nicht in der Kultur, sondern am Kiosk zwischen grellen Schlagzeilen. Er brauchte das Grobe, das Hässliche, die Verzweiflung.

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