Liebe Leserinnen und Leser,

das Wort Loser klingt ins Deutsche übersetzt viel härter: Verlierer. Das klingt gleich nach ausgestoßen, Sozialamt vierter Stock, Zimmer 304. Hätten wir mit der deutschen Variante genauso schnell ein Nachsehen wie mit der sympathischen englisch/amerikanischen Loser-Variante, die nie etwas auf die Reihe bekommt? Zur falschen Zeit am falschen Ort auftaucht. Einen Coup nach dem anderen plant, ohne wirklich zu Geld zu kommen. Die Sieger schreiben die Geschichte, lautet das Motto mit Blick auf unsere historische Vergangenheit. Da mag sich mancher Autor denken, jetzt beweise ich aber mal das Gegenteil. Sollen sie doch alle ruhig siegen, darauf kommt es doch gar nicht an. Der Beweggrund, warum ein Loser nicht aus seiner Haut herauskann, am Ende wieder mit leeren Händen dasteht oder gar tot ist, wird verklärt. Er will seine Familie retten, sein auf die abschüssige Bahn geratenes Leben auferstehen lassen. Er will für den Rest seiner Tage Black Jack spielen. Der Loser muss verlieren. Egal, wie sicher der Einsatz scheint. Damit die Gerechtigkeit siegt. Der Normalo weiterhin beruhigt über den Gartenzaun schauen kann. Das wusste Shakespeare schon, der einige der sympathischsten Loser überhaupt auf die Bühne losgelassen hat. Und wie steht es um das Genre? Sollte es da mehr Loser als Winner geben?

Thomas Wörtche entdeckt in seiner Kolumne Wir Loser! den kriminalliterarisch notorischen Typus Loser in all denen, die es beinah geschafft hätten. Carsten Germis rückt in James Ellroy, Donald Trump und das weiße Pack den Loser in die Nähe von Donald Trump. Sonja Hartl stellt in Verlierer, Versager und Philip Marlowe eines mal klar: Die Loser sind eindeutlich männlich. Wenn überhaupt, existiert die weibliche Form nur als Versagerin. Die Story in diesem Monat Alle, die ihn nicht kannten stammt diesmal von Matthias Wittekindt. Außerdem Benjamin Whitmer im Interview mit Sonja Hartl und Jon Bassoff mit Alf Mayer.

Nach so viel gedanklichem Unterbau dürfte alles über den Loser bedacht sein, außer der Tatsache, dass wir uns selbst nicht gerne als solchen betrachten. Das Schöne im Genre ist, dass wir als Leser gleich von außen sehen, der- oder diejenige kriegt das Leben nicht auf die Reihe. So sind uns in all den Jahrzehnten unvergleichliche Figuren ans Herz gewachsen, die einfach blind für sich waren. Law and order … egal. Wenn ich schon ein Loser bin, will ich es wenigstens nicht wissen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie … nein, dann überfallen sie, dann stehlen sie, dann entführen sie, dann hoffen sie … noch heute.

 

Viel Spaß beim Lesen

Ihre

Polar Gazette