Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

die Liste ist lang und beständig. Auf ihr werden die Namen selten gelöscht und sie verlängert sich mit den Jahren. Wer würde schon Leonard, Hammett und James M. Cain davon streichen wollen, Sallis, Willeford oder Pelecanos nicht nach der ersten Begegnung mit ihnen daraufsetzen wollen. Manchmal taucht im Social Media der Aufruf nach den zehn besten Krimiautoren auf. Keine einzige geht ohne amerikanische Autoren online. Sind wir also verseucht? Abhängig? Haben wir es nicht geschafft, unseren eigenen Ton, unsere eigenen Plots zu finden? Ja, aber … und so erschallt gleich der Widerspruch, da gibt’s es doch in Irland, in Frankreich, in Finnland, in der Schweiz … und so können wir viele Länder abklopfen und neue Autorenlisten erstellen. Nur was macht Amerika und seine Autoren gerade so anziehend für uns Leser, dass wir es selbst unseren Lieblingsautoren nachsehen, wenn sie seit zehn Jahren eigentlich immer dasselbe schreiben? Amerika, du hast es besser? Liegen allein wegen der Größe schon die guten Storys einfach auf der Straße oder in den Motels herum?

Amerika, nennt Thomas Wörtche in der Septemberausgabe schlicht seine Kolumne und erkennt eine „Qualität: Veränderungen und Innovationen im Genre (und damit dann übers Genre hinaus) nicht nur anzuschieben, sondern auch international durchzusetzen und Standards zu definieren, an dem sich andere Gegenden dieser Welt permanent abarbeiten.“ Carsten Germis zieht in Amerika ist überall Brecht zurate und entdeckt den Western als großes Vorbild. Während Sonja Hartl sich in Ästhetisierung der Armut fragt, ob der Trend des Country Noirs auch in unseren Alltag eingedrungen ist? Die Story im September stammt von Kaja Bohnet. Fäden im Morgentau spielt in San Francisco. California, USA. Mehr sei nicht verraten.

In den Writer Classes in aller Welt werden die Regeln für die angehenden Autoren den Klassikern der amerikanischen Kriminalliteratur abgerungen. Show, don’t tell, dieser berühmte Rat, woher stammt der noch mal? Ach ja, Amerika. Und so bleibt der Gazette letztlich nichts andres übrig, als stilecht einzugestehen: Read and enjoy!

 

Viel Spaß beim Lesen

Ihre Polar Gazette