WIE WÜRDE ES IHNEN GEFALLEN?
von Lawrence Block

Aus dem Amerikanischen von Karen Witthuhn


Es fing an, als ich sah, wie ein Mann sein Pferd auspeitschte. Ein Droschkenkutscher, ausstaffiert mit Zylinder und Cutaway wie der Schornsteinfeger in Mary Poppins, und ich sah ihn am Central Park South, wo die Kutschen aufgereiht auf Touristen warten, die eine  Runde durch den Park drehen wollen. Das Pferd war ein buckliger alter Wallach mit noblem Gesicht, und als der Kutscher die Gerte niedergehen ließ, knackte etwas in mir. Es war nicht nötig, das Pferd so zu prügeln.

Ich suchte einen Polizisten auf, aber er wollte nichts davon hören. Er erklärte mir, ich müsse aufs Revier gehen und Beschwerde einreichen, aber so wie er es sagte, wollte er mich eigentlich davon abhalten. Ich mache dem Cop keine Vorwürfe. Wenn Crackdealer an jeder Straßenecke stehen und die Kriminalität gegen Menschen und ihren Besitz immer weiter um sich greift, sind misshandelte Tiere vermutlich nicht so wichtig.

Aber ich konnte es nicht vergessen.

Der Tierschutz war mir schon länger ein Anliegen. Vor einigen Jahren hatte es eine Kampagne gegeben, mit der eine Kosmetikfirma davon abgehalten werden sollte, ihre Produkte an Kaninchen zu testen. Jedes Jahr erblinden Tausende von unschuldigen Kaninchen, nicht, um ein Mittel gegen Krebs zu finden, sondern weil sich so die Unbedenklichkeit von Mascara und Eyelinern am billigsten testen lässt.

Ich hätte mich gern mit dem Firmenchef zusammengesetzt. „Wie würde es Ihnen gefallen?”, hätte ich ihn gefragt. „Wie würde es Ihnen gefallen zu erblinden, weil man Ihnen Chemikalien in die Augen reibt?”

Aber ich habe nur eine Petition unterschrieben, wie Millionen anderer Amerikaner, und soweit ich weiß, hat es funktioniert: Die Firma hat aufgehört, Karnickeln die Augen zu verätzen. Manchmal, wenn alle zusammenhalten, können wir etwas verändern.

Manchmal kann auch einer ganz allein etwas verändern.

Was mich wieder auf das Pferd und den Kutscher zurückbringt. Ich bin in der folgenden Zeit öfter an den Central Park South zurückgekehrt und habe den Kerl beobachtet. Ich dachte, ich hätte ihn vielleicht an einem schlechten Tag erwischt, aber schnell wurde mir klar, dass er die Peitsche regelmäßig einsetzte. Als ich ihn schließlich darauf ansprach, wurde er regelrecht rot vor Zorn. Einen Moment lang dachte ich, er würde mich mit der Peitsche angreifen, und ehrlich gesagt wäre mir das sehr recht gewesen, doch er lenkte seine Wut auf das arme Pferd, schlug es brutaler denn je und sah mich dabei an, als wartete er nur darauf, dass ich eingreifen würde.

Ich bin gegangen.

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