Kritik? Kritik!

von Thomas Wörtche

 

Ein schlaues Köpfchen meinte einmal, Kriminalliteratur brauche keine Kritik.

Stimmt, die Leute lesen sowieso, was sie wollen.

Und nicht das, was sie sollen, sagen Kritiker.

Das Triangel aus Autoren, Lesern und Kritikern ist ein Triangel des permanenten  gegenseitigen Beleidigtseins.

Für Autorinnen und Autoren gibt es hauptsächlich zwei Kategorien von Kritikern: Die, die ihre Bücher gut finden. Die sind hoch kompetent, eminent wichtig und überhaupt. Die, die ihre Bücher nicht gut finden, sind ahnungslos, neidisch, irrelevant, dumm und sowieso überflüssiges Gesindel.

Autorinnen und Autoren, die notorisch nicht, wenig oder nur marginal besprochen werden, schreiben unter gar keinen Umständen, niemals nicht für Kritiker. Nur für´s Publikum. Keine Kritiken gehen ihnen am Arsch vorbei. Kommen sie dann manchmal doch in Kritiken vor, sind die entweder/oder … siehe oben.

Leserinnen und Leser finden Kritiken gut, wenn ihre Lieblingsbücher gut wegkommen. Wenn nicht, sind die Kritiker gerne „selbsternannt“ und haben selbst noch nichts geleistet. Wenn in Kritiken Bücher gelobt werden, die Leser und Leserinnen nicht gut finden oder von denen sie noch nichts gehört haben, haben wir es klar mit „Cliquenwirtschaft“ oder mit „gekauften“ Kritiken zu tun. Autorinnen ervögeln sich gute Kritiken. Weiß doch jeder.

Kritiken verkaufen keine Bücher. Vermutlich wollen deshalb alle rezensiert werden.

Kritiken verkaufen unfassbar viele Bücher, deswegen werden Bücher „in den Markt“ geschrieben. Das funktioniert immer.

Kleine Verlage brauchen Kritiken, um wahrgenommen zu werden. Das funktioniert nicht immer.

Kritiken kümmern sich nur um Mainstream-Produkte.

Kritiken sind reine Geschmackssache. Kritiken sind subjektiv. Kann man alles auch anders sehen. Pure Meinung: Die Erde ist eine Scheibe, Gott hat die Welt in sieben Tagen erschaffen. Eine Meinung ist so gut wie die andere.  Das ist demokratisch.

Kritiken sind dogmatisch und autoritär. Meistens.

Argumente sind Schwurbel, Hirnwichse.

Krimis sind Wellness-Produkte. Emphase, Gefühligkeit, „Feinschmeckertum“ und „Kennerschaft“ und Identifikatorik sind viel ehrlicher, authentischer, menschlicher als „Kritik“.

Kritik mangelt es an Herzenswärme.

Kritiker hassen Bücher und Autoren. Manche wollen sie sogar vernichten.

Kritiker sind völlig machtlos.

Leser lieben Bücher und Autoren.

Autoren lieben ihre Leser.

Kritik soll da nicht stören.

Kritiken sollen ordnungspolitisch einwandfrei sein. Kritiken sollen sagen, was ein „guter Krimi“ ist und was nicht. Am besten mit einer Liste zum Abhaken der Kriterien.

Kritiken stecken Texte in Schubladen. Überhaupt ist Schubladendenken schwer zu geißeln.

Was aber ein Krimi ist und ein Thriller und kein Krimi und kein Thriller, das weiß man doch.

Krimipäpste wissen besonders genau, was ein guter Krimi ist, so ganz prinzipiell und en général. Sie verraten´s aber nicht. Vielleicht, weil sie nur so tun, als ob sie´s wüssten.

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