Liebe Leserinnen und Leser,

 

seien wir doch mal ehrlich, wer verträgt schon Kritik? Am Theater, wo jeder von sich behauptet, entweder keine zu lesen oder dass Kritiken einen weiterbringen, sind sie gefürchtet. Von Inkompetenz bis persönlicher Rachefeldzug reichen da die Etiketten. Schlimmer als Kritik ist keine Kritik, lautet die Höchststrafe. Auch bei Lesern unterscheiden sich die Urteile gravierend. Zumal, wenn es einen Lieblingsautor, eine Lieblingsautorin betrifft, fühlt sich jeder berufen, der einzige wahre Kritiker auf der Welt zu sein, der genau weiß, wie Literatur, wie ein Genre auszusehen hat. Geschmack entscheidet selbst bei Klassikern. Was allein schon die Vorliebe für Schiller oder Goethe unterstreicht. Selbst Shakespeare wurde zu Lebzeiten heftig von der Kritik eingeheizt. Wie sollen wir also kritisieren, wenn wir kritisieren? Ein Thema, das uns im Freundeskreis Bauchschmerzen bereitet, wenn wir die richtigen Worte für eine heikle Situation suchen. Frei heraus, zwischen den Zeilen, mit unnachgiebiger Erfahrung etwa? Weil wir alle ja mit Kritik so gut umgehen können?

In seiner Kolumne Kritik? Kritik! wirft Thomas Wörtche einen Blick nach allen Seiten und führt gängige Klischees vor. Unter anderem, dass Kritiker keine Herzenswärme besäßen. Carsten Germis betont in seinem Essay Drei Thesen zur Krimikritik in Deutschland, dass die Voraussetzungen für Krimikritik noch nie so gut waren wie heute. „Hinter Kritik verbirgt sich keine Missgunst, sondern Liebe, Leidenschaft und der Wunsch des Verstehens“ stellt Sonja Hartl in ihrem Beitrag Eine Liebeserklärung klar. Außerdem wir haben eine Premiere in der Gazette. Eine Kurzgeschichte eines amerikanischen Autors. Bei Lawrence Block liegt in Und wie würde es Ihnen gefallen in der Übersetzung von Karen Witthuhn einem Mann der Tierschutz am Herzen, sodass er sich zum Eingreifen berufen fühlt.

Es soll Kritiker geben, die nach einer schlechten Kritik und der Aufkündigung der Freundschaft eines/r Autoren/In behaupten, warten wir mal das nächste Buch ab, wenn ich es lobe, mag er/sie mich wieder. Es kommt aber in der Welt der Bücher auch zu lebenslangen Zerwürfnissen. Wer da noch behauptet, Kritik sei belanglos, der schreibe besser selber einmal ein Buch.

 

Viel Spaß beim Lesen

Ihre

Polar Gazette