Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

die Büchse der Pandora. Wehe, wenn sie einer öffnet. Was machen Verlage falsch, was machen sie richtig? Schon bei den ersten Büchern, die überhaupt gedruckt wurden, stellte sich die Frage, wer will das lesen? Als die Menschheit sich ihre Geschichten am Lagerfeuer erzählte, war das einfacher. Sie unterlagen gleich dem Urteil der Zuhörer, die entweder gebannt an den Lippen eines Erzählers hingen, oder ihnen fielen die Augen nach ein paar Minuten zu. Höre ich mich in der Branche um, herrscht große Ratlosigkeit, oder ich treffe auf Selbstironie, wenn es um die Misserfolge geht. Gibt es eigentlich auf der Welt eine Branche, die mit mehr Variablen versucht, einen Erfolg zu stricken? Wahrscheinlich auf dem Aktienmarkt. Und da vertrauen sie den Zahlen statt den Worten. Trotzdem können sie die Flugbahn beim Jonglieren nicht berechnen. Wie sollen es da die Verlage schaffen? Ein wunderbares Thema für die Maiausgabe der Gazette.

    Ein Feld voller Fallen und Fettnäpfen, abseits jeglicher Publikumsbeschimpfungen, und einen wahren Tummelplatz für Klugscheißer und Schulmeister entdeckt Thomas Wörtche in seiner Kolumne „Was können Verlage, was will das Lesepublikum?“.

    Carsten Germis hat sich mit Lawrence Block in „Buchmarkt 4.0“ über seine Vermarktungsstrategie abseits der Verlage unterhalten, wenn die Verlage einen Autor einfach nicht mehr drucken wollen. In Mehr Risiko! wünscht sich Sonja Hartl, dass nicht die Nivellierung ein Kriterium für die Buchauswahl sein soll, damit Autoren möglichst längst bewährte Sachen schreiben. Sie sucht das Unverstellte, Unbequeme, Ungewöhnliche. Die Story im Mai stammt von Doris Gercke. In Gomera – nicht zurück nimmt ein Mann nachts die Fähre und erinnert sich nicht mehr daran, wie viele Menschen er in seinem Leben getötet hat. Es treibt ihn aufs Ende zu.

    Was machen die Verlage also falsch? In keiner Branche ist die Suche nach der Erfolgsformel von so vielen Bällen in der Luft abhängig. Wer Jongleure bei der Arbeit beobachtet, weiß, dass es vor allem darauf ankommt, die Bälle bloß nicht fallen zu lassen.

 

Viel Spaß beim Lesen

Ihre

Polar Gazette