Liebe Leserinnen und Leser,

 

es könnte so einfach sein. Historische Kriminalromane orientieren sich schließlich an Ereignissen, die längst geschehen sind. Wo liegt also das Problem? Und warum gibt es, gelinde gesagt, so viele schlechte Krimis, die sich vor allem dem Zeigefinger anvertrauen oder auf falsche Fakten beruhen? Liegt vielen Autoren vor allem daran, mittels Vergangenheit vor der Zukunft zu warnen, demokratische Aufklärungsarbeit zu betreiben, oder wird gerade der Kriminalroman nicht dazu benutzt, um politische Überzeugungen zu vertreten? Fragen, die sich der Polar Gazette in diesem Monat stellen.

Der historische Kriminalroman als Schauplatz pittoresker Kulisse oder als Mediendebakel bei RTL, dem geht Thomas Wörtche in seiner Kolumne „Das Elend der Geschichte“ nach. „Antike, Mittelalter, frühe Neuzeit, 19. Jahrhundert, alles weidlich und buchhalterisch penibel abgegrast.“ Carsten Germis widmet sich in „Im Schatten der Reichsschrifttumskammer“ Horst Bosetzky, besser bekannt als -ky, und dem Fall eines Frauenmörders im nationalsozialistischen Deutschland. Wie sich dem Thema nähern? Fiktiv oder dokumentarisch? Auch Sonja Hartl treibt in „Richtiges im Falschen“ die Schreckensherrschaft des Dritten Reichs um. Welches Bild und welche Mittel, Geschichte zu beschreiben, finden wir bei Mechthild Borrmann und Andreas Kollender? Die Story im Februar stammt von Gisbert Haefs. „Ein Abendessen“. Nicht mehr, nicht weniger und doch kriminell.

Macht uns der Blick in die Geschichte klüger? Ist der Kriminalroman das probate Mittel, Leser für eine Zeit zu begeistern, die längst verschollen scheint? Es gibt Autoren, nicht zuletzt Robert Hültner, die sich auf historische Themen spezialisiert haben und ihr eine eigene Welt abringen. Historischen Krimis zu folgen fällt umso leichter, je näher wir mit dieser Vergangenheit verbunden sind. Überbrücken wir die Geschichten über Jahrhunderte, begeben wir uns auf das Feld der Mutmaßungen. Mitunter zwischen Menschen und Geschichten, die unterstreichen, wie wenig sich unsere Politik und unsere Gesellschaft trotz aller Modernisierungen geändert haben. So wie beim Spiegel Nazi-Themen immer gehen, präsentiert sich auch der Buchmarkt: Geschichte verkauft sich gut.

 

Viel Spaß beim Lesen

Ihre Polar Gazette