Londons einsamer Rächer:

Mit „Luther“ hat Neil Cross für die britische Metropole einen düsteren „Batman“ erschaffen

„Ich glaube nicht, daß man Filme machen sollte
oder irgendeine Form von Kunst,
um Menschen Freude zu bereiten.
Man sollte sie eher beunruhigen.“

Paul Verhoeven

In der BBC-Serie "Luther" (2010-2013) steht mit Detective Chief Inspector John Luther (Idris Elba) ein Frontmann an der Spitze, der bei der Ausübung seiner Arbeit über die laut Vorschrift geltenden Grenzen hinausgeht und auch jedwede Grauzone weit hinter sich lässt. Vor unterlassener Hilfeleistung, der Manipulation von Beweisen, ja, selbst vor Gewaltanwendung und Körperverletzung schreckt er nicht zurück, wenn sich dadurch ein Täter dingfest machen oder komplett aus dem Verkehr ziehen lässt. Manchmal muss man eben das Falsche tun, weil es – so Luthers Logik – richtig ist.

     Schwerer als jede Vorschrift wiegt für ihn die individuelle akute Situation. Sieht er die Chance, ein Leben zu retten, lässt er nichts unversucht. Und wenn er sich selbst dabei zur Zielscheibe machen muss. Von Schießeisen hält der  belesene 1,90 m Hüne nichts. Seine wichtigste Waffe ist sein scharfer Verstand, der ihn – zusammen mit einem hohen Maß an Empathie – die härtesten Fälle lösen lässt.

     Methodisch ist er dabei durchaus flexibel. Moral-ethisch kennt er keine Kompromisse. Er bleibt seinen eigenen Regeln und Gesetzen treu. Hätte er andere Bücher gelesen, wäre er vielleicht nicht Polizist, sondern Priester geworden. Doch sein bedingungsloses Engagement fordert Opfer…

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