Liebe Leserinnen und Leser,

 

wie gerne sehen wir ihnen bei der Arbeit zu. Vor allem, wenn sie selber ein Problem haben. Kennen wir doch auch. Im deutschen Krimiwesen gibt es nichts Zuverlässigeres als den Ermittler. Lässt sich der Erfolg der Ermittler/Innen, selbst wenn sie aus anderen Ländern stammen, nicht vor allem darauf begründen, dass wir in ihnen ein Stück deutsche Gründlichkeit entdecken? Der Staub über einem Verbrechen muss weg. So wie wir unsere Wohnungen den Putzhilfen überlassen, vertrauen wir unseren Nachttisch den Skandinaviern, Angelsachsen oder auch mal einer Französin an. Da tauchen regelmäßig an den Ecken des Feuilletons diese Philister auf, die herummäkeln und der Meinung sind, der Ermittler, die Ermittlerin steckten in einer Krise. Sie würden nicht mehr still bewundert. Sind die Ermittler uns zu ähnlich geworden?

Thomas Wörtche sagt es in seiner Kolumne „Skeptisches Unbehagen – Der „Ermittler-Krimi“ unverblümt, der „Ermittlerkrimi“ ist ein Tummelplatz für unbehagliche Implikationen. Während Carsten Germis in „Eine Krise der Ermittler“ die weltpolitische Karte ausspielt: Mit der sich zuspitzenden Krise der Demokratie in den Staaten des Westens können bald auch die Ermittler in eine richtige Krise geraten. Gut, dass sich Sonja Hartl in „(Eine mögliche) Zukunft des Ermittlerkrimis“ den weiblichen Ermittlern widmet, die in diesem Herbst weniger abgedroschen oder abgekupfert erscheinen. Etwas, das wir dem kürzlich verstorbenen Carlo Schäfer nicht vorwerfen können. Wir beenden 2015 mit seiner Story „Kurpfalz is Himmel!“.

Also doch eine Krise der Ermittler? Lieben wir jetzt eher die Gangster? So wie es in den Anfängen der McCarthy-Ära war? Als der graue Herrscher des amerikanischen Rechtsstaats die Verherrlichung von Gangstern in Filmen mit Mickey Rooney und James E. Edwards zuviel wurde, er angeblich darauf drängte, dass Hollywood die wahren und guten und unbefleckten Helden, die gesetzlich Verankerten das Herz der Zuschauer gewinnen sollten? Am Ermittler scheiden sich die Geister. Wir lieben das Verbrechen, aber niemand soll davonkommen. Der einen ist er zu männlich, dem anderen zu weiblich. Die Flut im Genre bringt es mit sich, dass wir übersättigt sind. Gut, dass der Ermittler wie die Ermittlerin in einer Krise stecken. In Quarantäne sollten sie in der nächsten Zeit auch bleiben. Danach können sie mit dem Gesetz wieder machen, was sie wollen. Oder das Gesetz mit ihnen.

 

Viel Spaß beim Lesen

Ihre

Polar Gazette