Liebe Leserinnen und Leser,

 

seien wir ehrlich, was wäre der deutsche Leser ohne das leidige Thema E und U? Die einen sehen sich als Hüter des Heiligen Grals, die anderen als Eroberer, als Schleifer eherner Festungen. So schwappt einmal im Jahr aus den Untiefen des Feuilletons die Frage auf, was nehmen die anderen sich da eigentlich heraus, ein solches Urteil zu fällen?! Ist nicht alles Literatur? Muss es nicht letztlich heißen, es kommt nur darauf an, ob ein Buch ein gutes oder schlechtes ist? Bleibt die Frage der Zielgruppe. Für wen schreibt ein Autor eigentlich seine Geschichte, für wen verlegt ein Verlag in den goldenen Zeiten des Buchmarketings ein Buch? Aber werden mit E und U nicht nur Bücher eingekesselt, Leser abgestempelt? Natürlich wird dem einen oder anderen nachgesagt, dass er mal ins E, dann wieder ins U greift, und somit dem sagenumwobenen Wechselwähler gleicht, auf den sich in der Politik alles konzentriert. Willst du eine Wahl gewinnen, brauchst du seine Stimme, willst du auf die Spiegel-Bestenliste, brauchst du sein Geld.

Thomas Wörtche stellt in seiner Kolumne „Die U/E-Schere“ die berechtigte Frage nach dem guten und schlechten Buch. Nach unseren tiefergreifenden Maßstäben, mit denen wir Urteile fällen. Während Mukoma wa Ngugi eher der Nische bekannt sein dürfte. In „Handlungsort Kenia“ stellt Sonja Hartl ihn Richard Crompton gegenüber. Carsten Germis hat sich in „Das U und E des Kriminalromans“ drei Romane der KrimiZeit-Bestenliste angesehen. Eher E, oder doch U? „Schneetreiben“, die Story stammt diesen Monat von Romy Fölck. Eine Begegnung mit der Vergangenheit, die zu einem anderen Ergebnis führt, als es gedacht war.

Eines werden wir sicher nicht schaffen, die ewige Debatte E und U zu beenden. Dafür finden wir selbst allzu sehr Gefallen daran. Schließlich gibt es auch im Sport strittige Regeln, die leichthin abgeschafft werden könnten. Doch wie im Sport ist der Streit über die Fehlurteile auch in der Buchwelt reizvoller als das Ergebnis.

 

Viel Spaß beim Lesen,

Ihre Polar Gazette