Liebe Leserinnen und Leser,

 

diesmal wendet sich die Polar Gazette einem strittigen Thema zu. Wissen Frauen mehr über Männer, als Männer über Frauen? Die jeweilig andere Seite wird den Kopf schütteln und behaupten: unmöglich. Wenn also im Genre eine Schriftstellerin einen männlichen Protagonisten erwählt, ein Mann eine weibliche Ermittlerin in den Mittelpunkt rückt, erfahren wir dann als Leser eine unbekannte Sicht auf das andere Geschlecht, brechen Autor/Innen womöglich mit tradierten Rollen, oder greifen die Stereotypen tiefer und entwickeln ihre bekannten Klischees? Im Zeichen der Genderdiskussion stellen nicht nur wir uns die Frage neu.

Ist Agatha Christie besser, wenn sie ein Buch über Miss Marple oder eines über Hercule Poirot schreibt? Thomas Wörtche würde in seiner Kolumne Frauen und Männer, Männer und Frauen – und das Verbrechen am liebsten gleich zum Ockham´schen Rasiermesser greifen und spürt dem Legitimitätsproblem einer solchen Frage nach. Carsten Germis lotet bei Oliver Bottini und dessen Kommissarin Boni in Frau an der Flasche die Fallstricke eines Klischees aus. Während  Sonja Hartl in Taffe Frauen, weiche Männer sich Pekka Hiltunen und Fred Vargas angesehen hat, um zu dem Schluss zu kommen, ob die Schöpfer männlich oder weiblich sind, spielt keine Rolle, solange sie in die Welt passen, aus der sie stammen. Auch Friedrich Ani schreibt in „Aschenputtel“ über Männer und Frauen, aber ihm wird wohl niemand nachsagen wollen, dass er sich eher auf die eine oder andere Seite schlägt.

Das Rollenverständnis mag sich geändert haben und mit ihm auch die Ausrichtung des Verbrechens, die Gefahr neuen Klischees zu verfallen, hingegen nicht. Schließlich sind es nicht nur die Schriftsteller, die solche Fallstricke mitbringen. Es soll mitunter vorkommen, dass wir Leser nur das lesen wollen, was wir selber schon sind.

 

Viel Spaß beim Lesen

Ihre

Polar Gazette