Liebe Leserinnen und Leser,

mal ehrlich, wollen wir immer dasselbe lesen? Natürlich sagt jeder gleich nein. Doch der Büchermarkt finanziert sich über die zuverlässigen Titel, mit denen er das weitere Programm über Wasser hält, jene Titel, die die Erwartungen erfüllen, die Leser an Verlag und Autoren stellen? Es ist kein Geheimnis, dass Agenten eingereichte Manuskripte auf ihre Serienfähigkeit überprüfen. Schließlich wollen Leser, haben sie einen Ermittler erst mal in Herz geschlossen, mehr von ihm lesen. Sind wir also eine Heerschar von Wiederholungstätern, die nur einen Hauch Veränderung ertragen? Oder doch eher Trüffelschweine, die auf der Suche nach den wirklichen Perlen sind? Serienhelden haben eine lange Tradition. Sie überleben mitunter  länger als die Solitäre. Die Masse macht’s. Fünfzehn Bücher bleiben eher in Erinnerung als ein Titel. Doch was machen die Wiederholungen mit uns, fragen wir in der neuen Gazette.

Thomas Wörtche begibt sich in seiner Kolumne „Epigonen“ auf die Suche nach Vorbildern, Abkupferern und fragt sich, gibt es das Original-Genie überhaupt noch? Leser haben Macht. Das musste auch Ian Rankin erfahren, als er seinen Rebus in Rente schicken wollte. Carsten Germis über Glück und Leid eines erfolgreichen Schriftstellerlebens. Maj Sjöwall und Per Wahlöö, Kommissar Beck, Stieg Larsson als Unvollendeter. Reihen haben hoch im Norden Tradition. Sonja Hartl widmet sich in “Notausgang“ Arne Dahl und seiner A-Gruppe. Und was ist mit der Realität, fragen wir in „One for My Baby And One for the Road.“ Die Story kommt in diesem Monat von Max Annas. „Migrationsassistenten“. Nicht immer haben Aktivisten nur das Geld im Visier, wenn sie Menschen bei der Flucht helfen.

Es gibt viele Geschichten, die sich nicht zur Serie eignen. Sie hängen nicht an den Personen, weil nicht sie sie vorantreiben. Und dann sind sie auserzählt. Egal, ob wir uns noch eine Fortsetzung wünschen oder nicht. Sie sind flüchtig und eignen sich nicht für die Langstrecke.

Viel Spaß beim Lesen
Ihre
Polar Gazette