In Schweden erschienen die zehn Romane der A-Gruppe von 1998 bis 2007, hierzulande wurde der erste Teil 2003, der letzte erst 2013 veröffentlicht. Diese Verlängerung hat einen Grund: Im Jahr 2012 brachte Piper „Gier“ heraus, das Buch, mit dem Arne Dahl sein ursprüngliches Konzept aufweichte, indem er den Notausgang nahm, den auch viele Macher von Fernsehserien wählen: Er entwickelte ein Spin-off mit seinen bekannten Figuren. Damit zwischen Original und Übersetzung nicht wie bei den A-Gruppen-Romanen mehrere Jahre liegen, so dass Anspielungen auf gegenwärtige Ereignisse mitunter ihre Aktualität verlieren, wurde der Publikationszyklus der A-Gruppe in Deutschland unterbrochen. Dadurch geht zwar ein Teil der Spannung im zehnten Teil „Bußestunde“ verloren, aber die Übersetzungen der neuen Reihe erscheinen ein Jahr nach der schwedischen Fassung.

In seiner OpCop-Reihe schickt Arne Dahl nun seinen Lieblingsermittler Paul Hjelm nach Den Haag, dort soll er als Leiter einer geheimen europäischen Ermittlungseinheit Verbrecher jagen. Sicher fügt sich diese Idee in Arne Dahls Konzeption von Kriminalliteratur und Verbrechen, die sich nicht an Ländergrenzen halten, sogar die neu geschaffene Ermittlergruppe lässt sich mit etwas Wohlwollen als Weiterentwicklung des schwedischen Polizeiromans sehen. Jedoch hat er nun auch eine sehr große Anzahl von Figuren. Schon in der A-Gruppe waren seine Ermittler mehr durch Eigenschaften denn komplexe Charakterisierungen gekennzeichnet, nun gibt es einen Korruptionsexperten aus Griechenland, eine kühle, kontrollierte Deutsche, einen weltmännischen Spanier, einen polnischen Experten für Wirtschaftskriminalität, einen gutaussehenden Mafia-Experten aus Italien, eine rumänische Ex-Turnerin und Mafia-Expertin, eine britische Ex-Geheimdienstlerin und eine litauische Polizistin, die gegen die osteuropäische Mafia ermittelte. Hinzu kommen dann noch die bekannten Figuren: Kerstin Holm ist Chefin der nationalen Kontaktgruppe der OpCop in Schweden, dazu gehören auch Jorge Chavez und Sara Svenhagen. Arto Söderstedt hat bereits Hjelm nach Den Haag begleitet. Für diese Figuren muss Arne Dahl Handlungsstränge finden, insbesondere die neuen Figuren brauchen Entfaltungsspielraum. Das führt dazu, dass er von allem ein bisschen erzählt, dadurch jedoch das Gesamtbild vernachlässigt. Auch dass die Einheit in den ersten beiden Teilen geheim agieren muss, trägt nicht gerade zu Stringenz und Plausibilität bei.

Insgesamt erscheint diese Ermittlungsgruppe als ein Kompromiss, der die alte Leserschaft zufriedenstellen und neuen Lesern einen Einstieg erlauben sollte, aber sie deutet auch darauf hin, dass sich Arne Dahl wie so viele andere Schriftsteller nicht von seinen Figuren trennen konnte, sondern der Versuchung erlegen ist, sie weiterhin agieren lassen. Es ist nun unübersichtlich geworden in Arne Dahls Romanen, außerdem lassen die ersten beiden Teile erkennen, dass ein Konzept nicht beliebig weiterentwickelt und fortgeführt werden kann. Auch haben seine alten Serienhelden schon viel erlebt und riskieren zunehmend ihre Glaubwürdigkeit. Die OpCop-Reihe soll auf vier Teile angelegt sein, allerdings hat mittlerweile auch die A-Gruppe einen Nachklapp erhalten, so dass fraglich ist, ob es tatsächlich ein Ende geben wird. Es wäre an der Zeit, mit einer neuen Reihe hätte Arne Dahl mehr Möglichkeiten, sie kann überraschen und ohne vergangenen Ballast von Verbrechen erzählen. Und falls er sich weiterhin nicht trennen kann, könnte es ja gelegentlich Cameo-Auftritte von bekannten Gesichtern geben.

Sonja Hartl © 08/15

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