One for My Baby And One More for the Road

von Wolfgang Franßen

 

Wer es als Autor schafft, Leser an sich zu binden, der hat ausgesorgt, dessen Agent freut sich, weil er sich mit einem klaren Profil im Markt verankert hat, dessen Verlag klatscht in die Hände, weil er gleich mehrere Cover in Auftrag geben kann und nur den Titel ändern muss. Willst du als Autor Erfolg haben, sorg dafür, dass sich die Leser mit deinem Helden, deiner Heldin fürchten, lieben und wer weiß, was sonst noch alles.

    Was leichter fällt, wenn ein Stoff verfilmt wird oder in die Mühlen einer Fernsehserie gerät. Inspector one, two, three … sixteen. Sonntagsabends um 22.15. In der Woche in fünfundvierzig Minuten mit Werbeunterbrechung. Das Detectivleben als Familienmitglied. Sind wir nicht alle Opfer, wenn sich erst in 8 Folgen ein Mord aufklären lässt?

    Sehnsüchtig warten wir, nachdem wir die letzte Seite in einem Buch gelesen haben, darauf, dass die erste Seite des Sequels längst geschrieben ist. Bei Ed McBain, der es auf über fünfzig Bände seines berühmten 87. Reviers zwingt gerade das Leuchten seiner Fans in die Augen, wenn es darum geht, wie sich die Figuren entwickelt haben, welche schillernd, welche vernachlässigt werden können. Und der wahre Kenner ist natürlich nur der, der alles gelesen hat. Lesen als amüsante Forschungsarbeit, oder auch kolossales Erinnerungsvermögen.

    Um diese Zwänge zu bedienen, beauftragt so mancher Mainstream-Autor zumindest einen Rechercheur, wenn nicht gar Lohnschreiber, die ihm zuarbeiten. Und so liest sich vieles an den Haaren herbeigezogen, damit es irgendwie weitergeht.

    Besitzt eine Geschichte das Potential, in Serie zu gehen, gewährt sie dem Autor ausverkaufte Lesungen. Serien gelangen durch Mundpropaganda bis in die hintersten Winkel. Wer will da schon außen vor sein, wenn es um den nächsten Adler-Olson geht?

    Ein Phänomen? Kalkül?

    Und die Realität? Sie wird eingebaut. Hauptsache, wir wollen wissen, wie es nach der Trennung vom Ehemann weitergeht, wollen tiefer in den Wahnsinn eines Psychopathen vordringen, wenn es ihm auf den letzten Seiten immer wieder gelingt zu fliehen, oder ob er die Schussverletzung überlebt hat. Wäre das Strickmuster nicht allzu sehr handwerklich nachweisbar, könnten wir glatt von einem gesellschaftlichen Codex sprechen, um unsere Serienhelden vorzuschieben, damit wir bloß eine erlesene Heimat haben. Eine Hohelied auf den Serien-Regionalkrimi. Sprechen wir lieber über Inspector Linley und Morse, über deren Nichtleben, statt über uns eigenes.

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