Natürlich lassen sich an der rechten wie der linken Hand jede Menge Namen als Beispiele aufzählen, die von sich glauben, die Welt verbessern zu können. Obwohl jeder gleichzeitig öffentlich unterstreicht, dass das gar nicht geht. Wie? Wohin? Mit den alten Rezepten? Das Dilemma der politischen Vision ringt mit der Zwangslage, sich rechts oder links einordnen zu müssen, ohne zu wissen, was das noch ist, wenn der Ansatz nicht so grell überzeichnet ist, dass wir uns vor allem gegen etwas positionieren, statt uns einer Vision anzuvertrauen.

Selbst der politischste Autor, der mit einer Message unterwegs ist, möchte gelesen werden. Vom Zielgruppenfinden, jenem Zauberwort aus dem Marketing, mal ganz abgesehen. Für wen schreibt ein Autor? Da schreiben Rechte für Rechte, Linke für Linke, und das jeweilige Weltbild ist in Ordnung, weil es ja den Feind gibt. Ist es aber eine Frage der Form, wie McDermid andeutet?  Allein mit unserer Antwort gehen wir ihr in Zeiten, in denen Terror und Religion und Nicht-Religion die Schlagzeilen bestimmen, auf den Leim. 

Die große politische Auseinandersetzung, wie die Gesellschaft sein soll, ist gestorben. Ernüchtert vom letzten Jahrhundert.  Niemand traut sich mehr, sich abseits des Konsens aus dem Fenster zu lehnen. Selbst Rechts steht gegen Rechts, wenn es um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise geht. Links gegen Links, sobald die Machtfrage gestellt wird.

Die Grillstation im Garten. Die Sonnenliege auf Mallorca. Es gibt kein Rechts oder Links mehr. Wir bürden den Autoren mit der Frage danach die Suche nach einer Antwort auf, die wir uns selber nicht stellen wollen. Dass wir nach Val McDermids Provokation für das Für und Wider hingehen und Argumente sammeln, ist vielmehr Ausdruck von Hilflosigkeit. Wir sind doch die Mitte. Die Unterhaltung. Der Markt.

Keine Zeit für Faltblättchen, auf denen Parolen stehen. Jeder Autor hat die Leser, die er verdient.

 

Wolfgang Franßen © 07/2015

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