Rechts Links Geradeaus

von Wolfgang Franßen

 

Das darf nicht wahr sein, da hat doch tatsächlich eine Schriftstellerin wieder die Frage nach dem Standort von Büchern und Schriftstellern gestellt. Wir sind doch in Wuppertal, Itzehoe oder Esslingen zuhause und freuen uns darüber, dass der Krimi uns an all die Orte führt, die wir kennen und uns zum Lachen bringt. Ist die Frage Rechts oder Links nicht längst literaturwissenschaftlich katalogisiert? War sie nicht immer schon eine Spielart der Bohème, bei der sich die Köpfe erhitzten und sie in der warmen Stube wunderbar Revolutionen aushecken konnte, solange sie nach 1989 nicht auf der Straße ausgefochten werden mussten? Wozu schreiben, wie schreiben, sind Fragen, die Schriftsteller sich stellen, wenn sie in der Krise stecken. Doch bitte nicht als gesellschaftspolitischen Ansatz. Lasst uns doch damit bitte in Ruhe, solange es Hartz 4 gibt.

Rechts, Links hat im letzten Jahrhundert so viel Unglück über die Welt gebracht. Wir haben uns in den globalen Kapitalismus gerettet, wo es nur noch heißt: als Flüchtling im Meer ertrinken oder verfettet im Reihenhaus ersticken?

Die Ideologien sind tot. Wer den Kapitalismus als Ideologie ansieht, glaubt auch daran, dass schwarze Löcher der Zugang zum Paradies sind. Niemand weiß das besser als Val McDermid und deswegen rüttelt ihr Beitrag im Guardian die Gemüter auf. So eine Frage ist unanständig. Sie fordert zur Stellungnahme heraus. Wo stehst du, Autor? Bedienst du nur die Maschinerie, die Buchfabrik, oder hast du darüber hinaus was zu sagen? Nicht zuletzt, wo stehst du, Leser? Wenn du alle deine Bücher siehst, willst du eher beruhigt werden oder empfindest du dich als rechts oder links?

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