Driver ist ein sehr amerikanisches Buch.

Our national literature and image, with our lives in hot pursuit, enthrone individualism”, hat Sallis vor einiger Zeit in einer Besprechung der Ripley-Romane von Patricia Highsmith geschrieben.

    Driver ist ein gelungenes Beispiel für diese von Sallis als  amerikanisch behauptete “Hochschätzung des Individualismus”.  Drivers Rebellion ist eine innere Abkehr von der Gesellschaft; bewusste politische Aktion, das Streben, die als korrupt entlarvte Gesellschaft durch sein Handeln zu ändern, sind seine Sache nicht. Wie Drivers Freund Doc lapidar feststellt, nachdem er in einer Kneipe von einem anderen Kleinganoven angesprochen wurde:

“Der Junge wusste einen Scheißdreck. Das war heutzutage bei allen so. Hielten sich für Outlaws, jeder einzelne von denen. Immer voll gegen die Gesellschaft, und dann zu Tode betrübt, wenn einmal was nicht nach ihrer Nase lief.”

    Als Driver bei einem Überfall von seinen Auftraggebern hereingelegt wird und die ihn ausschalten wollen, läuft ihm alles aus dem Ruder. Er muss handeln, er wird zum Mörder, die Bosse der Mafia jagen ihn. Am Ende kommt es zum Gespräch zwischen Driver und dem Boss. In dieser Schlussszene will der Gangsterboss, der ihn zum Essen (Ente) eingeladen hat, Driver  erstechen. Er zieht das Messer, als sie sich zum Abschied die Hand geben. Driver ist schneller und bringt auch den letzten seiner Verfolger um.

    Figuren wie Driver oder auch “Parker” und “Dortmunder” in den Kriminalromanen von Donald Westlake zeigen, wie stark Individualismus, wie das Bild der einsamen Kämpfer gegen die böse Welt im amerikanischen Noir den nonkonformistischen Mainstream bestimmen. Sallis steht da ganz in der Tradition des von ihm so hoch geschätzten Raymond Chandler.

    Ein ganz anderes Beispiel für Rebellion zeigt der junge japanische Autor Tomotake Ishikawa. Ishikawa, 1985 geboren, arbeitet als gut bezahlter Angestellter in der Hauptstadt Tokio.  Er fing an, Kriminalromane zu schreiben, weil er sich während der langen Fahrtzeit vom Wohnort zu seinem Arbeitsplatz in Tokio als Pendler langweilte. Für seinen Roman “Graue Männer” bekam er den “Goldenen Elefanten”, einen Literaturpreis für Erstlingswerke. Ausgezeichnet wird Genre-Literatur, die sich nach Ansicht der Jury eignet, auch von einem internationalen Publikum gelesen zu werden.

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