Rebellen und Verbrecher, international

von Carsten Germis

Im Noir ist das Aufbegehren gegen die als korrupt empfundene Gesellschaft ein Leitmotiv. Die unterschiedlichen Kulturen schimmern aber – aller Globalisierung zum Trotz – auch im Kriminalroman weiter durch.

     Am Anfang der Geschichte der Kriminalerzählung steht – die Rebellion.

“Die Verachtung seiner Person hatte früh seinen Stolz verwundet, und zündete endlich einen schleichenden Unmuth in seinem Herzen an, welcher nie mehr erloschen ist.”

    Mit diesen Worten beschreibt Friedrich Schiller in seiner 1787 veröffentlichten Erzählung vom “Verbrecher aus verlorener Ehre” den Weg des Christian Wolf in die Rebellion und in die Kriminalität. Bei Schiller ist das Motiv des unterdrückten, des benachteiligten und aus Not zum Räuber werdenden Menschen so stark ausgeprägt wie selten zuvor in der Literatur seiner Zeit. Heute ist die Rebellion gegen eine Gesellschaft, die als ungerecht empfunden wird,  ein zentrales Leitmotiv des Noir. Gesetze sind in dieser Gesellschaft wie Spinnenweben, die Kleinen bleiben hängen, die Großen fallen durch.

    Mit seinem Roman “Driver”, der als einer der besten amerikanischen Noir der letzten Jahre gilt, hat James Sallis den Nonkonformisten zum rebellischen Helden gemacht. Dabei ist Driver, wie der Held schlicht genannt wird, nicht politisch. Er ist nur der Fahrer, mehr will er auch nicht sein.

    Driver hält sich fern, selbst bei den Verbrechen. Er ist der beste Stuntfahrer, der von Hollywoods Filmemachern immer wieder engagiert wird, wenn es besonders riskante Szenen gibt. Sallis hat mit “Driver” das Genre des Noir-Krimis bis zum Äußersten getrieben. Die Szenen sind schnell geschnitten, die Dialoge verdichtet, wie es wenige Erzähler können. Die melancholische Geschichte eines Einzelgängers spielt vor der Folie einer miesen, einer korrupten Gesellschaft. Seine innere Rebellion lässt Driver ein Leben als Außenseiter führen. Es ist ein Leben nur mit sich. Alle Menschen, die er geliebt hat,  werden ihm genommen. Mit der Gesellschaft bricht er. Er wird getrieben, auch als er am Ende selbst mordet, reagiert er nur auf Druck von außen.

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